Rosamunde Pilcher schrieb zahlreiche Geschichten, die von den Promblemchen der besseren Gesellschaft von Cornwall spielen. Fotos: Imago/Eventphoto45/Sabine Gudath

Ihr Name steht für Fernseh-Schnulzen wie kaum ein anderer: Fast 150 Filme aus der Feder von Rosamunde Pilcher hat das ZDF bereits gesendet und kann damit regelmäßig sogar gegen den ARD-„Tatort“ bestehen. Erst im Januar schauten mehr als fünf Millionen Deutsche zu als mit „Stadt, Land Kuss“ der 148. Pilcher-Film in Deutschland lief. Und eine Ende ist trotz des Todes der Autorin nicht abzusehen.

Rosamunde Pilcher gelang der Durchbruch erst mit 63 Jahren

Der erste Rosamunde Pilcher-Film, den das ZDF zeigte, war im Jahr 1993 „Stürmische Begegnungen“. Pilcher war damals bereits 69 Jahre alt und als Schriftstellerin erst seit sechs Jahren kommerziell erfolgreich. Pilcher wurde 1924 als Rosamunde Scott im englischen Cornwall geboren. Dort spielen auch die meisten ihrer Geschichten. 

Während des zweiten Weltkrieges arbeitete Rosamunde Scott als Sekretärin für das britische Außenministerium und wurde dabei nach Indien berufen. 1946 heiratete sie den Textilunternehmer Graham Pilcher und trug seither den Nachnamen, der sie in Deutschland berühmt machen sollte – auch, wenn er hierzulande immer etwas zu deutsch ausgesprochen wird. In der Ehe wurde sie erst einmal dazu verdonnert, ein Leben als Hausfrau und Mutter zu führen. Dennoch schrieb sie unter dem Pseudonym Jane Fraser kurze Liebesgeschichten, die in Frauenmagazinen abgedruckt wurden. Anekdotisch wird erzählt, dass sie ihre Geschichten am Küchentisch schrieb, da es für sie keinen Schreibtisch im Haus gab. Zudem hielt sie ihr Schreiben vor ihren vier Kindern geheim. 

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1987 kam dann ihr Durchbruch. Mit der Familiensaga „The Shell Seekers“ verkaufte sich in Großbritannien sehr gut und wurde auch ins Deutsche übersetzt. „Die Muschelsucher“ wurde bislang 1,7 Millionen Mal verkauft. Insgesamt verkaufte Pilcher zu Lebzeiten 65 Millionen Bücher und verdiente mit ihren Werken und den Rechten daran – beispielsweise für die ZDF-Filme – rund 100 Millionen britische Pfund.

Und was begeistert so an Pilcher-Romanen? Schließlich wirken sie mit ihren veralteten Rollenbildern und oft realitätsfernen Problemchen doch irgendwie aus der Zeitgefallen. Ein Grund sind sicher die weiten Landschaften Cornwalls, die in ihren Büchern beschrieben und in den ZDF-Verfilmungen ausreichend gezeigt werden. Das saftige Grün, die schroffen Küsten, die malerischen Örtchen. Und mittendrin: Personen, die oft aus besseren Kreisen stammen, mit Problemen, die so unwirklich erscheinen, dass sie den Zuschauer unweigerlich von den eigenen ablenken. 

Rosamunde Pilcher kurbelt den Tourismus in Cornwall an

Besonders beim deutschen Publikum kommt das gut an. So gut, dass das Fremdenverkehrsamt der eigentlich so strukturschwachen Region Cornwall einen „Rosamunde-Pilcher-Effekt“ ausmachen kann. Rund die Hälfte der anreisenden Touristen seien deutschsprachig. Vor der Corona-Pandemie kamen jedes Jahr 350.000 Menschen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz, um sich die Gegend anzuschauen, in der Pilcher-Filme entstehen. Dass der ZDF-Kitsch vornehmlich in Cornwall spielt, sei ein Segen und „das beste Marketing“, heißt es vom Fremdenverkehrsamt.

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2012 setzte sich Rosamunde Pilcher zur Ruhe und gab das Schreiben auf, sieben Jahre später starb sie im Alter von 94 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls. Dass ihr Tod auch mit einem Ende der Film-Reihe einhergeht, ist allerdings eher unwahrscheinlich. Die Autorin hat gut vorproduziert. Es gibt noch immer zahlreiche Werke, die das ZDF verfilmen und zu einem Quotenschlager machen kann. Am Sonntagabend läuft „Das Vermächtnis unseres Vaters“.