Der Skandal-Sänger Marilyn Manson sorgte bei seinen Auftritten schon immer für Gesprächsstoff.  Foto:  Richard Shotwell/Invision/AP, File

„Der Name des Mannes, der mich missbraucht hat, ist Brian Warner – den die Welt als Marilyn Manson kennt.“ Mit einem Statement auf Instagram trat Evan Rachel Wood eine Lawine gegen den Schock-Rocker los. Die „Westworld“-Schauspielerin sowie drei weitere Ex-Freundinnen und eine ehemalige Assistentin bezichtigen den 52-Jährigen der psychologischen Folter sowie des körperlichen und sexuellen Missbrauchs.

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Evan Rachel Wood bei den 69. Primetime Emmy Awards im September 2017.

Wood war noch ein Teenager, als sie mit dem 20 Jahre älteren Manson zusammengekommen war. Im Januar 2010 verlobten sich die beiden – ein Jahr später war die Beziehung zerbrochen. Die heute 33-Jährigen nennt auf ihrem Posting zum ersten Mal die schlimmen Gründe für das Aus: „Er hat mich bereits als Teenie an sich gebunden und mich auf schreckliche Weise jahrelang missbraucht. Er hat mich einer Gehirnwäsche unterzogen und mich zur Unterwürfigkeit manipuliert. Doch ich habe genug davon, Angst vor Rache, Rufschädigung oder Erpressung zu haben. Ich bin hier, um einen gefährlichen Mann zu entlarven, ehe er noch weitere Leben ruinieren kann. Ich will bekannt machen, dass viele in der Industrie ihn gewähren lassen und ihn gedeckt haben. Ich schließe mich den vielen Opfern an, die nicht mehr länger schweigen wollen!“

Fast zeitgleich mit Woods posteten vier weitere Frauen ihre detaillierten Vorwürfe als Instagram-Storys:

Die Künstlerin Gabriella war 22, als sie Manson im Oktober 2015 nach einem Konzert Backstage traf: „Das Erste, was er zu mir sagte war, dass er mich beißen will. Er hat mich dann zu sich in den Tour-Bus eingeladen, mir Kokain angeboten und mich aufgefordert, nackt vor ihm zu duschen.“ Beim zweiten Treffen im Hotelzimmer verlangte Manson einen „Blutpakt“ von ihr: „Er hat unsere beiden Händen mit zerbrochenen Glas geschnitten. Er hat mir geschworen, mich zu lieben und mich dazu gebracht, ihn auf Europatournee zu begleiten.“ Auf Tour begann ihr Albtraum: „Er hat mich immer wieder gefesselt und mich dann vergewaltigt. Wenn ich dann weinend auf dem Boden lag, hat nur gelächelt. Er hat, als ich geschlafen habe, Nacktfotos von mir geknipst und sie an seine Freunde geschickt.“ Immer wieder habe er sie dazu gezwungen, Drogen zu nehmen – „er hat sie mir regelrecht mit Gewalt in den Mund geschoben“.

Er verbot ihr, Hosen zu tragen und verlangte, dass sie ihre Haare rosa färbte: „Er hat mich während des Sex geschnitten und mich als verrückt und autistisch beschimpft.“ Er machte die junge Frau psychologisch von ihm so abhängig, dass sie versuchte sich umzubringen, als er sie Weihnachten 2015 versetzte: „Ich wurde immer depressiver. Er hat mich bedroht und sich damit gebrüstet, dass er Gangmitglieder kennt, die mich oder jeden einfach umbringen können. Gabriella brauchte nach dem Aus der Beziehung fünf Jahre, um darüber reden zu können: „Ich leider immer noch an Albträumen und wurde mit einem posttraumatischen Stresssyndrom diagnostiziert.“

Ashley Morgan wurde von Manson 2009 über einen befreundeten Fotografen kontaktiert. Er gab dem Model den Eindruck, ihr bei ihrer Schauspielkarriere helfen zu wollen: „Ich fühlte mich bei ihm sicher und bin bei ihm eingezogen“. Der eben noch so charmante Sänger zeigte schnell seine dunkle Seite: „Er hat mich missbraucht. Er ist sexuell und körperlich gegen mich gewalttätig geworden und hat mich zu Dingen gezwungen, die ich nicht tun wollte.“

So habe Manson ihr aufgetragen, in Thailand Nazi-Memorabilien für ihn zu kaufen: „Ich musste ihm Wurfsterne und Messer, auf denen Hakenkreuze geschmiedet waren, mitbringen. Obwohl er wusste, dass ich jüdisch bin und mir das total zuwider war.“ Er verbot ihr tagelang das Schlafen. Als sie einmal morgens um 3 doch einnickte, habe er sie fast völlig nackt aus seiner Villa geworfen: „Er hat mir eingeredet, dass es ‚unser Ding sei‘, wenn er mich mit dem Messer schneidet, mich verbrennt oder mir die Faust auf den Mund schlägt.“ Morgan leidet bis heute unter Angstzuständen.

Sarah McNeilly wurde anfangs von dem „charmanten und witzigen“ Manson mit „Liebe bombardiert“. Der perfekt erscheinende Boyfriend zeigte dann aber sein wahres Gesicht: „Er hat mich gequält, emotional missbraucht und terrorisiert. Er hat mich ins Zimmer eingesperrt, wenn ich ‚böse‘ war. Ich wurde gezwungen zuzuhören, wenn er mit anderen Frauen zusammen war.“ Er drohte McNeilly, nicht über ihn zu reden. Sie erfuhr von anderen, „deren Haustiere plötzlich tot waren, weil sie über ihre Erlebnisse mit Brian reden wollten“.

Als ein alter Bekannter von McNeilly einen Kommentar auf ihrem Facebook-Account hinterließ, habe Manson gedroht, ihn zu erstechen. Er sei auch oft gewalttätig gegen das Model geworden: „Ich wurde von ihm gegen die Wand geworfen. Er mit mir gedroht, mir mit einem Baseballschläger, den er in der Hand hielt, das Gesicht zu zertrümmern.“ Sie sei Zeugin geworden, wie Manson auch andere terrorisiert und missbraucht habe. Seit Ende der Beziehung habe sie psychologische Probleme und leide unter posttraumatischen Stresssyndrom: „Mein Selbstwertgefühl ist noch immer am Boden. Ich will, dass Brian endlich für sein bösartiges Verhalten zur Verantwortung gezogen wird.“

Ashley Walters arbeitete ab 2010 als Privatassistentin für Manson: „Er hat mich kontrolliert, ausspioniert und die gewonnenen Informationen genutzt, um mich zu manipulieren. Ich war wie sein Besitz. Er hat mich potenziellen Kollaborateuren und Freunden zum Sex  angeboten.“ Er habe Walters von ihren Freunden und Familie abgeschottet und sie durfte manchmal mehrere Tage am Stück nicht schlafen: „Er wurde oft gewalttätig und hat schwere Dinge wie Glasschalen nach mir geworfen. Ich wurde auch Zeuge, wie er andere um sich herum – so wie seine Freundinnen – kontrolliert und seelisch missbraucht hat. „Als sie nach einem Jahr kündigte, habe Manson sie noch weiter gemobbt, ihren Ruf geschädigt und ihr mit finanziellen Ruin gedroht: „Ich litt unter Panikattacken und habe mit Depressionen zu kämpfen gehabt.“

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Walters postete auf Instagram auch eine SMS-Nachricht von Manson, wie er über Woods redet: „Ich würde Evan am liebsten den Schädel zertrümmern.“ Der Grund: Sie hatte es gewagt, nicht sofort nach Drehschluss zu ihm zu kommen, weil sie ihr Auto von zu Hause holen wollte.“

Für Manson haben die Enthüllungen bereits erste berufliche Konsequenzen. Seine Plattenfirma Loma Vista feuerte den Sänger am Montag. Das Statement dazu: „In Anbetracht der schockierenden Missbrauchs-Vorwürfe von Evan Rachel Wood und den anderen Frauen gegen Marilyn Manson, werden wir ab sofort für sein aktuelles Album nicht mehr werben. Dazu haben wir beschlossen, nicht mehr länger mit ihm zusammenzuarbeiten.“ Auch strafrechtlich droht Manson Ärger. Die kalifornische Angeordnete Susan Rubio schickte einen Brief an den US-Bundesgeneralanwalt Monty Wilkinson und den FBI-Direktor Christopher Wray: „Wir sind es den Opfern schuldig, Ermittlungen gegen Mr. Warner einzuleiten.“