Trotz gestiegener Preise schlürft jeder Bundesbürger im statistischen Mittel rund 164 Liter Kaffee pro Jahr. Das sind nach Berechnungen des Deutschen Kaffeeverbandes 17 Liter mehr als vor 20 Jahren. Doch die wenigsten wissen, was ihre tägliche Tasse Kaffee wirklich für ihre Gesundheit bedeutet.
Kaffee macht nicht immer wach
Koffeinhaltige Lebensmittel können das Herz-Kreislauf-System und das zentrale Nervensystem in Schwung bringen. Damit erhöhen sich die Konzentrationsfähigkeit und auch die körperliche Leistungsfähigkeit. Doch nicht jeden macht Kaffee auch wach. Am Forschungszentrum Jülich haben Wissenschaftler herausgefunden, dass die anregende Wirkung des Koffeins nur dann einsetzt, wenn Menschen vorher ein Schlafdefizit hatten. Und auch dann: Unendlich lässt sich Koffein-Doping nicht fortsetzen. Eine Studie des Walter Reed Army Instituts in den USA sieht die Grenze bei vier Tagen Schlafentzug. Danach verpuffte die Wirkung des Wachmachers.
Jeder Körper verarbeitet Kaffee unterschiedlich
Generell vertragen Menschen Koffein nicht gleich gut. Nach Studien liegt das an genetischen Unterschieden im Adenosin‑Rezeptor. Diese Andockstellen finden sich nicht allein im Gehirn, sondern auch in vielen Organen. So kann es sein, dass einige schon nach einer Tasse Espresso Magenschmerzen, Durchfall oder Herzklopfen bekommen – und andere sich dagegen wach und wohlfühlen.

Ähnlich individuell ist die Wirkung beim Kaffeegenuss vor dem Einschlafen. Einige Menschen schnarchen trotz Koffein sofort weg, andere liegen wach. Für alle aber gilt: Kaffee ab dem Nachmittag führt zu weniger Tiefschlaf, weil der Abbau von Koffein im Körper mehr als zwölf Stunden dauern kann.
Macht Kaffee wirklich süchtig?
Und wie verhält es sich mit dem Suchtpotenzial? „Koffein ist die weltweit am weitesten verbreitete psychoaktive Substanz“, sagt Andreas Bauer vom Jülicher Institut für Neurowissenschaften und Medizin. „Sie unterscheidet sich jedoch von Amphetaminen oder anderen Rauschmitteln dadurch, dass sie auch bei regelmäßigem Konsum kein signifikantes Suchtpotenzial entfaltet.“
Das heißt aber nicht, dass der Körper unbeeindruckt bleibt: Ein Koffeinverzicht nach täglichen Kaffeeritualen kann nach Einschätzung des Bundesinstituts für Risikoforschung Entzugssymptome wie Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten und Reizbarkeit auslösen. Umgekehrt kann regelmäßiges Kaffeetrinken zu einer Koffein-Toleranz führen. Das bedeutet, dass bei gleichbleibender Menge zumindest einige der gewohnten Wirkungen nicht mehr oder weniger stark auftreten.
So viel Kaffee sollten Sie wirklich trinken
Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit hält bis zu 200 Milligramm Koffein als Einzeldosis und 400 Milligramm über den ganzen Tag verteilt für gesunde Erwachsene für unbedenklich. Das sind gut vier Tassen Kaffee. Für Schwangere und Stillende gilt eine Tagesdosis von 200 Milligramm als unbedenklich. Für Kinder liegt die Grenze bei rund 3 Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht.



