Eine undeutliche Erinnerung: Spritpreise vom April 2020. Und das war nicht einmal das Minimum ... imago

Die Teuerung in Deutschland hat im Mai mit 2,5 Prozent den höchsten Stand seit fast zehn Jahren erreicht. Das dürfte noch nicht das Ende der Fahnenstange sein: Verbraucher müssen sich auch in den kommenden Monaten auf Preissprünge einstellen, denn Volkswirte rechnen damit, dass die Inflation 2021 weiter anziehen wird. Die Bundesbank hält vorübergehend Teuerungsraten um vier Prozent für möglich.

Im Mai heizten vor allem steigend Energiepreise die Inflation an. Nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts verteuerte sich Energie binnen Jahresfrist um zehn Prozent. Ein Grund für diese überdurchschnittliche Steigerung: Vor einem Jahr waren die Rohölpreise mit Ausbruch der Corona-Krise wegen geringer Nachfrage auf dem Weltmarkt zeitweise eingebrochen. Seither haben sie sich erholt.

Umweltabgaben machen Sprit teurer

Zudem sind in Deutschland seit Januar 25 Euro Abgabe je Tonne Kohlendioxid (CO2) fällig, das beim Verbrennen von Diesel, Benzin, Heizöl und Erdgas entsteht. Das treibt die Preise fürs Heizen und Tanken. Für Heizöl (plus 35,4 Prozent) und Kraftstoffe (plus 27,5 Prozent) mussten Verbraucher im Mai des laufenden Jahres tiefer in die Tasche greifen als ein Jahr zuvor.

Schließlich lief auch noch Ende 2020 die Kürzung der Mehrwertsteuer von 19 auf 16 Prozent aus, die im zweiten Halbjahr 2020 auch für Treibstoff gegolten hatte. v

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Einer Auswertung des Buchungsportals Check24 zufolge sind die Preise für Strom, Gas und Heizöl im ersten Halbjahr 2021 teils kräftig gestiegen. Für Strom beispielsweise zahlt eine Familie mit 5000 Kilowattstunden Jahresverbrauch demnach aktuell durchschnittlich 1524 Euro – und damit so viel wie nie seit 2007. Heizöl habe sich gemessen an einer Bestellung von 2000 Litern seit dem Tiefststand im September um 65 Prozent verteuert – und sei damit auf dem Stand von Anfang 2020.

Ohne Berücksichtigung der Energiepreise hätte die Inflationsrate nach Berechnungen der  Bundes-Statistiker im Mai 2021 bei 1,8 Prozent gelegen, ohne Heizöl und Kraftstoffe sogar nur bei 1,6 Prozent.

Stattdessen hat die Teuerung in Deutschland nach „negativen“ Inflationsraten in der zweiten Jahreshälfte 2020, als die Preise um bis zu 0,3 Prozent pro Monat sanken, seit Beginn 2021 stetig angezogen.  Nahrungsmittel sind jetzt 1,5 Prozent teurer als vor einem Jahr, Pflanzen und Blumen sogar 7,6 Prozent.  

Blumen sind gegenüber dem Vorjahr deutlich teurer geworden.    imago

Zu wenig Inflation ist auch nicht gut

Der „harmonisierte Verbraucherpreisindex“ HVPI, den die Europäische Zentralbank (EZB) für ihre Geldpolitik heranzieht, lag in Deutschland im Mai um 2,4 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats und um 0,3 Prozent über dem Stand von April 2021. Die EZB strebt mittelfristig für den gesamten Euroraum eine Jahresteuerungsrate von knapp unter 2 Prozent an, weit genug entfernt von der Nullmarke. Denn dauerhaft niedrige Preise gelten als Risiko für die Konjunktur: Unternehmen und Verbraucher könnten dann Investitionen aufschieben - in der Hoffnung, dass es bald noch billiger wird.

In ihrer jüngsten Prognose geht die EZB davon aus, dass sie 2021 ihrem Inflationsziel sehr nahe kommen wird: Sie rechnet mit einem Anstieg der Teuerung in den 19 Eurostaaten um 1,9 Prozent. 2022 dürfte der Preisdruck wieder nachlassen, die EZB erwartet 2022 eine Preissteigerung von 1,5 Prozent.

In Deutschland werden Sondereffekte wie die CO2-Abgabe sowie die Rückkehr der Mehrwertsteuer zu ihrem alten Satz nach Einschätzung der Bundesbank 2022 weniger stark durchschlagen. Demnach dürfte sich die Inflation hierzulande dann bei 1,8 Prozent bewegen.