China will für einen Konflikt mit der NATO das Wissen von Kampfjet-Piloten bekommen.
China will für einen Konflikt mit der NATO das Wissen von Kampfjet-Piloten bekommen. dpa/Lockheed Martin Aeronautics/Tom Reynolds

Es ist ein besorgniserregender Bericht: China soll ehemalige NATO-Piloten und andere Ex-Militärs gezielt anwerben, um für einen möglichen Konflikt mit dem Westen zu trainieren. Zu diesem Schluss kommt das britische Verteidigungsministerium laut einem Bericht des britischen Nachrichtensenders Sky News

In dem Bericht heißt es, die Volksrepublik werbe gezielt ehemalige Piloten westlicher Kampfjets an, um die eigenen Piloten der Volksbefreiungsarmee zu trainieren. Die Ex-NATO-Militärs würden dafür bis zu 240.000 Britische Pfund (derzeit rund 276.000 Euro) Jahresgehalt bekommen. In dem Hintergrundbericht zeigte sich der Offizielle des Ministeriums besorgt über die zunehmenden chinesischen Aktivitäten.

China interessiert sich besonders für Piloten von Eurofighter und F35-Kampfjets

Besonders interessiert seien die Chinesen an Piloten von Kampfjets, wie dem Eurofighter Typhoon und dem Tornado – Flugzeuge, die Deutschland ebenfalls in der Luftwaffe einsetzt. Auch wolle China besonders Piloten der F35 anwerben. Den Jet der neuesten Generation will auch Deutschland im Rahmen des Sondervermögens beschaffen. Die F-35 sollen den Tornado ersetzen.

Auch China hat moderne Kampfflugzeuge, wie hier den eigenen J-20 Kampfjet. Die Volksbefreiungsarmee will aber vor allem Taktiken und Fähigkeiten der NATO für einen möglichen Konflikt in Erfahrung bringen.
Auch China hat moderne Kampfflugzeuge, wie hier den eigenen J-20 Kampfjet. Die Volksbefreiungsarmee will aber vor allem Taktiken und Fähigkeiten der NATO für einen möglichen Konflikt in Erfahrung bringen. Imago/Imaginechina-Tuchong

Dabei wolle China nicht wissen, wie man die Flugzeuge fliegt. „Es geht nicht darum, chinesische Piloten in westlichen Jets auszubilden. Es braucht westliche Piloten mit großer Erfahrung, um bei der Entwicklung von Taktiken und Fähigkeiten der chinesischen Luftwaffe zu helfen“, so der Offizielle im Gespräch mit Sky. Im Klartext: Man will für einen etwaigen Konflikt mit der NATO wissen, wie diese tickt und darauf reagieren können. 

Auch Anwerbeversuche unter Ex-Militärs anderer NATO-Staaten

In Großbritannien würde die Volksrepublik vor allem Ex-Soldaten der Luftwaffe (Royal Air Force), der Marine (Royal Navy) und der Armee werben. Die Rekrutierung geschehe über Drittfirmen, unter anderem aus Südafrika. Das britische Verteidigungsministerium gab am Dienstag sogar eine Warnung an alle ehemaligen Militärangehörigen raus, um diese vor den Werbeversuchen aus China zu warnen. Zudem warnt das Ministerium bereits rekrutierte Soldaten vor einer weiteren Zusammenarbeit. Auch in anderen NATO-Staaten würden die Chinesen nach Interessenten mit der nötigen Erfahrung schauen.

Bisher gibt es keine Hinweise, dass die Piloten Militärgeheimnisse verraten haben. Dennoch würden die Ex-Soldaten „das militärische Wissen und die Fähigkeiten Chinas mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit steigern“, so der britische Offizielle. Großbritannien arbeitet daher an einer Gesetzesänderung, die es früherem Militärpersonal verbieten würde, für gegnerische Staaten zu arbeiten.

Problem in der Ampel-Koalition bekannt

Auch unter den Verteidigungspolitikern in Deutschland ist man sich des Problems bewusst. „Die Gefahr ist neu, aber bekannt“, so Marie-Agnes Strack-Zimmermann, Vorsitzende des Verteidigungsausschusses im Bundestag auf Anfrage des Berliner Kurier. „Sie zeigt uns, dass wir neben Russland China als große Herausforderung und Gefahr nicht aus dem Blick verlieren dürfen.“

Ob es bereits eine Planung für ein Gesetz gibt, das es ehemaligen Bundeswehr-Soldaten verbieten würde, für gegnerische Kräfte zu arbeiten, ließ die FDP-Politikerin unbeantwortet. Auch eine Anfrage an das Bundesverteidigungsministerium blieb bisher ohne Reaktion.