Urteil mit Folgen

Millionen Rentner verlieren jeden Monat bis zu 185 Euro

Ein Stichtag entscheidet über die Höhe der Erwerbsminderungsrente – obwohl Krankheit und Lebenslauf oft nahezu identisch sind.

Author - Tobias Esters
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Für viele Erwerbsminderungsrentner reicht das Geld kaum zum Leben.
Für viele Erwerbsminderungsrentner reicht das Geld kaum zum Leben.Jens Wolf/ZB

Krank, arbeitsunfähig und trotzdem benachteiligt. Ein Urteil des Bundessozialgerichts sorgt dafür, dass etwa zwei Millionen Erwerbsminderungsrentner jeden Monat spürbar weniger Geld bekommen. Bis zu 185 Euro fehlen, und das Monat für Monat.

Warum ein Datum über Geld entscheidet

Der Grund ist ein einziges Datum. Wer vor 2019 erwerbsgemindert wurde, profitiert nicht von verbesserten Rentenregeln, die später eingeführt wurden. Wer ab 2019 krank wurde, bekommt deutlich mehr Geld. Und das, obwohl Krankheit, Arbeitsleben und Lebenslauf oft fast identisch sind.

Auslöser für das Urteil war die Klage eines Mannes, der seit 2004 eine volle Erwerbsminderungsrente bezog. Später wechselte er in die Altersrente und hoffte, von den neuen Regeln zu profitieren. Nach Berechnungen der Rentenversicherung hätte ihm das rund 185 Euro brutto mehr im Monat gebracht. Doch jetzt entschied das Bundessozialgericht: kein Anspruch.

Das Bundessozialgericht bestätigte die umstrittene Stichtagsregelung bei Erwerbsminderungsrenten.
Das Bundessozialgericht bestätigte die umstrittene Stichtagsregelung bei Erwerbsminderungsrenten.Andreas Arnold/dpa

Im Mittelpunkt steht die sogenannte Zurechnungszeit. Sie tut rechnerisch so, als hätte ein Erkrankter bis zu einem bestimmten Alter weitergearbeitet und Beiträge gezahlt. Ab 2019 wurde diese Zeit deutlich verlängert – auf bis zu 65 Jahre und acht Monate. Das ist ein echter Renten-Booster für Neurentner.

Für diejenigen, die schon vorher krank wurden, ändert sich dagegen nichts. Denn im Rentenrecht gilt das Rentenbeginn-Prinzip. Entscheidend ist, welches Gesetz galt, als die Rente startete. Spätere Verbesserungen greifen nicht.

Milliardenkosten als zentrales Argument

Ein weiteres Argument des Gerichts sind die Kosten. Würden alle Bestandsrentner rückwirkend bessergestellt, kämen Milliarden-Ausgaben auf den Staat zu. Zudem müssten Millionen Renten neu berechnet werden.

Ganz leer gehen die Betroffenen am Ende aber nicht aus. Für viele wurde später ein pauschaler Zuschlag eingeführt, der seit Ende 2025 fest zur Monatsrente gehört. Doch der gleicht den Nachteil nur teilweise aus – im Schnitt etwa 60 Prozent der möglichen Verbesserung. Am Ende bleibt oft nur ein kleines Plus im einstelligen Prozentbereich.