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Freiwillige gesucht, die gratis in eine Berghütte ziehen – Veganer dürfen nicht!

Gratis auf einer Berghütte leben, und das einen Monat lang: Für viele wäre das ein Traum. Doch die Aktion hat einen ernsten Hintergrund.

Author - Florian Thalmann
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Im malerischen Martelltal liegen viele Berghütten. Hier sollen zwölf Freiwillige hinziehen, um zu ermitteln, was die Höhenluft mit dem menschlichen Körper macht.
Im malerischen Martelltal liegen viele Berghütten. Hier sollen zwölf Freiwillige hinziehen, um zu ermitteln, was die Höhenluft mit dem menschlichen Körper macht.imagebroker/imago

Viele träumen von einem Urlaub in den Bergen: Viel Natur, Höhenluft, Sonnenschein, was könnte es Besseres geben? In Italien werden aktuell Menschen gesucht, die einen Monat lang in einer Berghütte leben wollen – und das kostenlos. Dahinter steckt aber kein besonders spendables Reisebüro, sondern ein Forschungsprojekt. Herausgefunden werden soll, wie Menschen auf dauerhafte Höhenluft reagieren.

Wissenschaftler wollen Leben in der Höhe erforschen

Millionen Menschen leben auf der Erde in größeren Höhen – doch richtig erforscht ist bisher nicht, was die Höhenluft auf Dauer mit dem Körper eines gesunden Menschen macht.

Bisher haben sich Wissenschaftler nahezu ausschließlich mit dem Leben über 4000 Metern auseinandergesetzt, mittlere Höhen wurden aber ausgeklammert. Deshalb hat das private Forschungsunternehmen von Eurac Research, das in Bozen sitzt, das Projekt gestartet: Aktuell werden wieder Freiwillige, die für einen Monat lang kostenlos in einer Berghütte auf rund 2000 bis 2500 Höhenmetern leben wollen.

Stattfinden soll das Projekt, das manch einer wohl als Urlaub bezeichnen würde, zwischen Sommer und Herbst 2026 – und zwar auf der Nino-Corsi-Hütte im Martelltal. Das Tal liegt im Herzen des Nationalparks Stilfserjoch. Das hört sich alles sehr malerisch an.

Doch wer auf frischen Käse und läutende Kuhglocken hofft, der hofft zu viel: Die Hütte soll sich während der  Zeit in ein Forschungslabor verwandeln. Ausgewählt wurde die Hütte, weil sie in der richtigen Höhe liegt, aber auch, weil sie viele Menschen beherbergen kann und noch nicht vom Massentourismus überrannt wurde.

Beeindruckende Natur: Das Martelltal in Tirol ist bei Wanderern sehr beliebt. Nun wird eine Berghütte in der Region zur Forschungsstation.
Beeindruckende Natur: Das Martelltal in Tirol ist bei Wanderern sehr beliebt. Nun wird eine Berghütte in der Region zur Forschungsstation.Stefan Rotter/imago

„Wir werden den Blutdruck, die Aktivität des sympathischen Nervensystems, das Blutvolumen, die Anzahl der roten Blutkörperchen, die Ernährung, den Appetit und auch die Schlafqualität überwachen“, sagt Hannes Gatterer, der bei dem Forschungsunternehmen für den Bereich alpine Notfallmedizin zuständig ist, der italienischen Zeitung „la Repubblica“. Forscher aus verschiedenen Bereichen – Ärzte, Physiologen und Sportwissenschaftler – sollen mit auf der Hütte sein.

Veganer dürfen nicht mit auf die Berghütte

Gesucht werden nun zwölf Freiwillige, die auf die Hütte ziehen wollen – und zwar Frauen und Männer, die zwischen 18 und 40 Jahre alt sind und normalerweise auf Meereshöhe leben. Sie sollten von guter Gesundheit sein und einen normalen Body-Mass-Index haben.

Nicht teilnehmen dürfen laut dem Bericht der italienischen Zeitung unter anderem Raucher, Menschen mit Bluthochdruck oder chronischen Erkrankungen, die die Einnahme von Medikamenten erfordern. Auch Veganer oder Menschen mit Lebensmittelunverträglichkeiten sind ausgeschlossen.

Das Forschungsprojekt soll im Sommer und Herbst stattfinden. Mit etwas Glück erleben die Besucher der Berghütte sogar den Almabtrieb im Martelltal.
Das Forschungsprojekt soll im Sommer und Herbst stattfinden. Mit etwas Glück erleben die Besucher der Berghütte sogar den Almabtrieb im Martelltal.SuperStock/imago

Viele wollen gratis auf der Berghütte leben

Auch der genaue Ablauf ist festgelegt: Im Ort Schlanderz, der auf 720 Höhenmetern liegt, finden die ersten Untersuchungen statt, dabei wird ein Ausgangswert für den Zustand des Körpers ermittelt. Dann geht es für vier aufeinanderfolgende Wochen direkt auf die Berghütte.

Schon jetzt zeigt sich: Viele wollen an dem Projekt teilnehmen – innerhalb weniger Stunden seien für die zwölf Plätze mehr als 160 Bewerbungen eingegangen. Mit dem Experiment sollen bisherige Erkenntnisse bestätigt werden, denn es wurde bereits eine Runde der Hütten-Forschung durchgeführt.

Mit dem zweiten Durchgang wollen die Wissenschaftler nun testen, ob sich die Beobachtungen aus der ersten Runde wiederholen. Genauere Angaben zu den Forschungsergebnissen machten sie aber bisher nicht.

Würden Sie für einen Monat auf eine Berghütte ziehen und an dem Projekt teilnehmen? Schicken Sie uns Ihre Meinung an wirvonhier@berlinerverlag.com. Wir freuen uns auf Ihre Zuschriften!