Stau auf der Stadtautobahn. Foto: imago/Schöning

Diese Zeit könnte man auch anders nutzen. Im vergangenen Jahr verbrachten die Kraftfahrer in Berlin durchschnittlich 66 Stunden im Stau. Das geht aus einer Analyse des Verkehrsdatenanbieters Inrix hervor, die am Montag bekannt wurde.

Sicher: Anderswo ist die Situation noch schlimmer. In der kolumbianischen Hauptstadt Bogotá summierten sich die Verluste durch Stau 2019 auf 191 Stunden. In Rom gingen den Kraftfahrern 166, in Paris 165 Stunden verloren, so Inrix.

Doch im Deutschland-Vergleich schneidet Berlin nicht gut ab. Nur in München standen die Autos noch länger im Stau – 87 Stunden waren es 2019. Damit nicht genug: „Klarer Spitzenreiter bei Deutschlands staureichsten Straßen ist Berlin“, hieß es. „Gleich drei Berliner Straßen führen die Rangliste der schlimmsten Verkehrsbrennpunkte an.“

Im Stau verbrachte Zeit im Vergleich zu 2018 nicht gestiegen

An erster Stelle steht die Bundesstraße 2 – genauer gesagt der Abschnitt, der an der Stadtgrenze bei Groß Glienicke beginnt und zur Hofjägerallee führt. Gefolgt wird sie von der B96 zwischen Großbeeren und dem Tempelhofer Ufer. Zu diesem Teilstück gehört der Tempelhofer Damm. Auf Platz drei befindet sich die Autobahn 100 – der Stadtring, der sich zwischen Neukölln und Beusselstraße um das Zentrum legt.

Zeit, die im Auto abgesessen wird, kann nicht für lukrative Tätigkeiten genutzt werden. Laut Inrix büßte jeder Kraftfahrer in Berlin im Schnitt 587 Euro ein. Hochgerechnet auf die ganze Stadt ergab sich im vergangenen Jahr ein Verlust von 792 Millionen Euro.

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Es gibt aber auch Positives zu vermelden. So ist in Berlin die im Stau verbrachte Zeit im Vergleich zu 2018 nicht gestiegen, die Veränderung beträgt null Prozent. Zudem gehört Berlin zu den Städten, in denen Fahrrad und Nahverkehr akzeptable Alternativen sind, teilte Inrix-Sprecher Philipp Hanke mit.

In beiden Kategorien bekam die deutsche Hauptstadt ein grünes Emblem – kein gelbes oder rotes. Grün bedeutet: Auf den betreffenden Verbindungen müssen Radfahrer höchstens 50 Prozent mehr Fahrzeit als Autofahrer kalkulieren. Ein Beispiel: „Braucht man mit dem Auto 40 Minuten, benötigt ein Radfahrer weniger als 20 Minuten länger“, erklärte Hanke.