Die Poller des Anstoßes: eine der drei Straßensperren im Kiez. Foto: Bernd Friedel

Was gerade im Friedrichshainer Samariterkiez geschieht, steht anderen Wohnvierteln noch bevor. Bürger fordern Verkehrsberuhigung, doch wenn die Poller dann stehen, wird darüber gestritten, ob sie sinnvoll sind.

Ein Junge hatte einen Federballschläger mit einem Blatt Papier beklebt. „Die Poller müssen bleiben“, stand darauf. „Immer geht es gegen die Autofahrer“, ruft ein Mann erbost. Als Mittwochabend in der Musikschule Friedrichshain über die umstrittene Verkehrsberuhigung im Samariterkiez gestritten wird, treffen Kontrahenten in einem seit Monaten schwelenden Streit aufeinander.

Seit dem vergangenen 13. August zwingen dort rot-weiße Stahlzylinder an drei Stellen Autos zum Abbiegen. Sie sind kein lokales Phänomen, ruft Felix Weisbrich, der das Straßen- und Grünflächenamt Friedrichshain-Kreuzberg leitet, ins Mikrofon. „Sie sind der Beginn eines Umbaus des Berliner Verkehrssystems. Es geht darum, Durchgangsverkehr auf den Hauptstraßen zu konzentrieren.“

Berliner Bürger fordern Verkehrsberuhigung

Der Bezirk sei berlinweit Vorreiter, sagt er. Auch im Bergmann- und im Wrangelkiez werde bereits daran gearbeitet, den Verkehr zu beruhigen. In ganz Berlin fordern Bürger, ihre Wohnviertel ebenfalls mit Sperren vor Durchgangsverkehr zu schützen, etwa in Pankow. „Dieser Verkehr gehört nicht in Wohngebiete“, sagt Weisbrich – und erntet Applaus.

Als ein Autofahrer die „Verkehrsstilllegung“ beklagt, wird er ausgebuht. „Früher rasten 7,5-Tonner durch die Pettenkoferstraße, jetzt nicht mehr“, sagt Daniela Augenstein, die mit ihrer Familie im Kiez wohnt. Die negativen Folgen des Verkehrs seien „massiv zurückgegangen“.

„Die Poller haben den Kiez gespalten“ – räumlich, aber auch seine Bevölkerung, sagt dagegen Oliver Mummer von der Initiative Verkehr und Vernunft. Sie erzwingen Umwege von bis zu zwei Kilometern und erzeugten Verkehr. Die „Ruhigstellung“ des Kiezes fördere die Gentrifizierung, höhere Mieten drohten. Mummers Mitstreiter Christian Muhrbeck fordert eine „Bürgerbeteiligung, die den ganzen Kiez einbezieht“.

Die Bezirksverordnetenversammlung habe die Verkehrsberuhigung beschlossen, kontert Weisbrich. Nur ein neuer Beschluss könne dies aufheben. „Poller weg ist keine Option?“ fragt ein Bürger. Genau, sagte der Amtsleiter.