Wieder eine kleine Palastrevolution bei Hertha BSC. Dr. Torsten-Jörn Klein (62) wurde bei der Mitgliederversammlung am Sonntag im CityCube auf dem Messegelände als Aufsichtsboss abgewählt. Neuer Vorsitzender des Kontrollgremiums ist Tim Kauermann (41), ein früheres Präsidiumsmitglied aus der Ära des verstorbenen Präsidenten Kay Bernstein.
Kauermann siegt mit 733 Stimmen
Mit 733 Stimmen wurde der Finanzexperte gleich im ersten Wahldurchgang mit überwältigender Mehrheit (1063 stimmberechtige Mitglieder) gewählt. Dr. Klein, der seit 2018 mit Unterbrechung Vorsitzender war, erhielt nur 216 Stimmen. Zum ersten Mal wurde der Vorsitzender direkt von den Mitgliedern gewählt und auch die Wahltechnik war neu. Es wurde von den Mitgliedern nicht mehr Stimmzettel und Wahlurne gewählt, sondern elektronisch per Handy. So gab es diesmal ganz schnell das Ergebnis um 14.23 Uhr.

Für Kauermann wird es ein harter Job als Ober-Kontrolleur des Präsidiums und der Geschäftsführung. Das sah man auch am Sonntag. Es herrschte Katerstimmung nach der unglücklichen 0:1-Heimpleite gegen Holstein Kiel. Das Saisonziel Bundesliga-Aufstieg wurde schon vor Wochen verfehlt. Der Saal im CityCube war nicht wie sonst gefüllt, viele Sitze blieben leer. Etwas über 1000 Fans kamen. Doch immerhin kam die Profi-Mannschaft.
Es gab einen verhaltenen Applaus für das Team. Als die Spieler auf das Podium gingen, konnten man an ihren Gesichtern noch die Enttäuschung wegen der Heimpleite einen Tag zuvor sehen. Doch es eben nicht nur das. Drei Spieltage vor Saisonende steht fest, dass Hertha ein weiteres Jahr in der Zweiten Liga bleiben wird.
Reese spricht zu den Fans
Kapitän Fabian Reese ergriff dann das Mikrofon und sprach kurz zu den Mitgliedern: „Schön, dass ihr alle da seid. Ich möchte mich für die Unterstützung bedanken. Wir haben uns diese Saison anders vorgestellt. Das ist nun mal Fakt. Wir wollen es nächste Saison besser machen und hoffen weiter auf eure Unterstützung.“ Reese, sonst der ewige Optimist wirkte bei den Worten zurückhaltend bis ein wenig desillusioniert.
Danach setzten sich die Profis wieder auf ihre Plätze. Zehn Minuten startete Präsident Fabian Drescher mit seiner Rede. Seine ersten Sätze gingen direkt an das Team: „Männer steht auf, geht jetzt trainieren und viel Erfolg für die letzten drei Spiele.“
An den nächsten drei Sonntagen geht es erst zum 1. FC Magdeburg, dann folgt das letzte Heimspiel gegen Fürth und zum Saisonabschluss muss Hertha in Bielefeld ran. Es sind Spiele, bei denen es vordergründig nicht mehr Punkte geht, sondern Bewerbungsspieler jedes einzelnen Profis für die neue Saison.
Präsident Drescher: „Unbefriedigende Saison“
Die Mannschaft wird sich drastisch verändern. Drescher sagte schonungslos: „Der Verlauf ist unbefriedigend. Insbesondere die Ergebnisse bei den Heimspielen. Wir haben es nicht geschafft, uns oben in der Tabelle festzusetzen. Wir standen nicht einmal auf dem Aufstiegsplatz. Da gibt es nichts zu beschönigen. Es geht darum, jetzt die richtigen Schlüsse zu ziehen. War es falsch, dieses Ziel herauszugeben? Nein! Wir sind ein Verein, der maximale Leistung will.“
Die auslaufende Saison wird ein Einschnitt werden. Geschäftsführer Dr. Peter Görlich hatte es in den letzten Tagen schon angedeutet: „Wir stehen vor einer Transformation, wir können es uns so einen großer Profi-Kader nicht mehr leisten.“
Der Verkauf von Kennet Eichhorn (16) ist fast unumgänglich. Denn der Verein muss weiter Transfererlösen erzielen, um finanziell zu überleben. Das ist die brutale Wahrheit. Drescher: „Unsere wirtschaftliche Situation ist weiterhin angespannt. Wir sind ein Ausbildungsverein. Wir brauchen Geduld mit den jungen Spielern. Wir wollen Hertha nicht auf Sicht fahren, sondern auf Strecke.“


