Hertha BSC

Das schafft nur Toni Leistner: Ein Unioner wird zur Hertha-Legende

Toni Leistner schaffte in drei Jahren bei Hertha BSC etwas, was wertvoller ist als Titel: Er eroberte nach anfänglichen Anfeindungen die Herzen der Fans.

Author - Wolfgang Heise
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Toni Leistner verabschiedet sich Sonntag nach dem Spiel gegen Greuther Fürth von den Hertha-Fans.  Er kann mit Stolz auf drei blau-weiße Jahre zurückblicken.
Toni Leistner verabschiedet sich Sonntag nach dem Spiel gegen Greuther Fürth von den Hertha-Fans. Er kann mit Stolz auf drei blau-weiße Jahre zurückblicken.IMAGO/kolbert-press/Martin Agüera

Der Aufstiegstraum ist auch für Toni Leistner (35) wie eine Seifenblase zerplatzt. Dazu auch seine Hoffnung, noch ein Jahr für Hertha BSC zu spielen. Turban-Toni hat aber eine ganz große Lebensleistung vollbracht. Er überzeugte mit Taten, nicht mit Worten, so manchen blau-weißen Wirrkopf. Er kam als Unioner und bleibt Herthaner.

Leistner wurde am Anfang als Unioner angefeindet

„Ich wurde nicht immer mit offenen Armen empfangen. Aber ich habe immer gesagt: Es ist entscheidend, was ich auf dem grünen Platz mache. Es ist pure Liebe, manchmal auch Enttäuschung, aber es ging darum, einen Verein, der etwas auseinandergegangen ist, gemeinsam wieder zu einer Einheit zu machen“, erklärt Toni Leistner jetzt seine Ankunft bei Hertha, als der Klub nach dem Bundesliga-Abstieg 2023 am Boden lag, während der der früher befreundete Stadtrivale 1. FC Union in die Champions League stürmte.

Der blau-weiße Frust war in diesem Sommer so groß, er entlud sich bei manchen Fans aus der Ostkurve an Leistner, der von 2014 bis 2018 beim 1. FC Union gespielt hatte. Er kam vom belgischen Klub VV St. Truiden wollte einfach nur helfen, eine Karre aus dem Dreck zu ziehen, die er dort nicht hineingefahren hatte.

Ein Transparent in der Fankurve hatte zum Saisonstart diese Aufschrift: „Ein stolzer Unioner zum Neuanfang – ist das eure Hertha-DNA?“ Vor der Geschäftsstelle in der Hanns-Braun-Straße hing ein weiteres, das Leistner persönlich angriff: „Leistner, verpiss dich aus unserem Verein.“ Andere Spieler wären daran zerbrochen, aber nicht doch dieser 1,90-Meter-Abwehrhüne.

Der Turban wurde das Markenzeichen Toni Leistner. Oft holte sich der Hertha-Verteidiger Platzwunden, Nasenbeinbrüche bei Kopfballduellen ab.
Der Turban wurde das Markenzeichen Toni Leistner. Oft holte sich der Hertha-Verteidiger Platzwunden, Nasenbeinbrüche bei Kopfballduellen ab.IMAGO/Ralf Treese/DeFodi Images

Turban-Toni überzeugte alle bei Hertha

Der gebürtige Dresdner hatte schon zu viel im Leben erlebt, um sich davon aus der Ruhe bringen zu lassen. Ein Fußballprofi der alten Schule: „Einfach Arbeit abliefern und dabei nicht den Humor verlieren.“ Die Saison hatte gerade angefangen, da übernahm Leistner noch mehr Verantwortung. Von Ex-Trainer Pal Dardai wurde er nach dem Abgang von Kapitän Marco Richter zum neuen Spielführer ernannt.

Die Pöbeleien verstummten, weil auch der Letzte verstand: Das ist ein ehrlicher, authentischer Mensch, der seine Knochen für den Verein hinhält. Sportdirektor Benjamin Weber sagt: „Toni war zwei Jahre Kapitän, Anführer und Vorbild, auf und neben dem Platz. Wir sind Toni für seinen Einsatz und seine Leidenschaft in den vergangenen Jahren für Hertha BSC sehr dankbar.“

Das kuriose beim Phänomen Leistner. Viele Fans wollen jetzt gar nicht, dass der Routinier aufhört und kritisieren wiederum die Vereinsbosse. Turban-Toni, das Kopfballmonster, das sich oft einen blutigen Schädel auf dem Rasen abholte, hat seinen persönlichen Stempel hinterlassen und sogar Trainer Stefan Leitl überrascht: „Eigentlich war es gar nicht vorgesehen, dass Toni in dieser Saison noch so viele Spiele macht. Doch er hat durch Leistung überzeugt.“ Trotzdem wurde sein Vertrag nicht wie noch 2025 verlängert. Leistner wurde Opfer des Kaderumbruchs. Leitwölfe müssen jetzt andere werden.

Zweieinhalb Jahre musste Toni Leistner warten. Im Februar 2026 schoss er beim 3:0 in Elversberg sein erstes Tor für Hertha BSC und jubelte mit Purzelbaum und Pistolenschuss-Geste.
Zweieinhalb Jahre musste Toni Leistner warten. Im Februar 2026 schoss er beim 3:0 in Elversberg sein erstes Tor für Hertha BSC und jubelte mit Purzelbaum und Pistolenschuss-Geste.IMAGO/Ralf Brueck

Leistners Zukunft ist noch offen

Wie es mit Leistner weitergeht, ist noch offen. Spielt er nochmal für einen anderen Klub oder beendet er die Karriere? Der Verein will ihn auf alle Fälle in anderer Funktion behalten. Leitl: „Ich habe mit Toni über seine Zukunft gesprochen. Trainer will er nicht werden.“ Vielleicht bekommt er bald einen Büro-Job auf der Geschäftsstelle. Auch den wird er so zuverlässig erledigen wie auf dem Rasen. Aber eben ohne Rampenlicht.

Sonntag (13.30 Uhr) wird er das letzte Mal im Olympiastadion gegen Greuther Fürth spielen, danach seine Ehrenrunde drehen und sich von den Fans in der Ostkurve feiern lassen – mit Stolz und Genugtuung. Er hat es geschafft, was vielen Fußballprofis in ihrer Karriere verwehrt bleibt – mit Leistung und Aura aus anfänglichem Hass große Fan-Liebe zu machen. Er bleibt Herthaner und für immer in den Herzen.