Mehr als sich bei den Fans für diese Vorstellung seiner Borussia zu entschuldigen, blieb Erling Haaland nach Dortmunds 0:4 bei Ajax auch nicht übrig. imago/Ulrich Hufnagel

Schönreden war zwecklos. „Scheiße“, sagte Marco Rose in seiner Blitz-Analyse einer beschämenden Rekord-Abreibung – und er fasste die historische Pleite von Borussia Dortmund in einer Nacht der Demütigung damit exzellent zusammen. Auf der Pressekonferenz hatte er nach dem peinlichen 0:4 (0:2) bei Ajax Amsterdam so immerhin einen Lacher.

Die Verarbeitung der Pleite begann aber auf der Bus-Heimfahrt. Zur Geisterstunde gab es ja Etliches zu grübeln: Wie nur konnte der BVB, der selbst für entfesselten Tempofußball stehen will, sich derart in Stücke reißen lassen?

Rose rang nach Erklärungen, allzu Grundlegendes wollte er aus der höchsten Niederlage der Dortmunder Champions-League-Geschichte nicht ableiten. „Meine Mannschaft hat Charakter, das sind tolle Jungs“, sagte der Trainer. Aber: „Wenn es schwierig wird, muss man das Ding zum Laufen bringen. Wir müssen weitermachen und dann trotzdem Borussia Dortmund ausstrahlen.“

Körpersprache, Charakter, bedingungsloses Stemmen gegen die Brillanz eines überragenden Gegners, all das hatte Rose vermisst – und es anderswo gefunden: ausgerechnet beim großen Rivalen Bayern München. „Ein Joshua Kimmich rastet da aus, und da ist Feuer unterm Dach“, betonte Rose. Beim BVB? Nicht mal ein Flämmchen.

Ajax schlägt Dortmund mit den eigenen Waffen

Es war rein tabellarisch gesehen kein Drama, die Achtelfinalchance ist in der freundlichen Champions-League-Gruppe C mit den (beide schon bezwungenen) weiteren Gegnern Sporting Lissabon und Besiktas Istanbul immer noch sehr hoch. Doch moralisch, für das Selbstbild, bildet der Albtraum von Amsterdam im Matchballspiel womöglich eine Zäsur.

„Meine Jungs finden den Abend genauso beschissen wie ich“, berichtete Rose aus der Kabine, er sprach über Selbstkritik, Aufarbeitung, Lerneffekte. Letztlich landete er beim Offensichtlichen: Das „unvergleichliche Ajax, das Dortmund vom Feld fegte“ (Telegraaf), hatte den BVB mit jenen Waffen geschlagen, die er sich eigentlich selbst zuschreibt. „Das war eine Lehrstunde“, sagte Julian Brandt deprimiert.

Ein Eigentor von Marco Reus, desolate Außenverteidiger, Nachteile in Kampfgeist, Technik, Taktik und Schnelligkeit waren die Mosaiksteine, die sich zu einem Bild des Jammers zusammenfügten. Wenigstens Erling Haaland zeigte Größe, zog Sekunden nach dem Abpfiff alleine los und hob vor dem BVB-Fanblock entschuldigend die Arme. Spiele wie diese werden seine Lust auf ein Verweilen im Pott über den Sommer hinaus nicht sonderlich  fördern. Halb Europa ist hinter dem Norweger her. Und die rund 75 Millionen-Euro-Ausstiegsklausel ist nahezu ein Schnäppchen für all die gut betuchten Scheich-Klubs wie PSG oder Manchester City.

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