Über 90.000 Berlinern wurden 2021 Stromsperren angedroht. dpa/Schuldt

Die Energiepreise steigen und steigen. Und immer mehr Berliner haben Probleme, den Strom für ihre Wohnung zu bezahlen. Verschickte Vattenfall als Grundversorger für Strom im Stadtgebiet im Jahr 2020 noch 71.598 Sperrankündigungen, so waren es ein Jahr später schon 91.130. Das geht aus einer Antwort der Senatsverwaltung für Wirtschaft auf eine kleine Anfrage des Abgeordneten Stefan Taschner (Grüne) hervor.

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Ein Grundversorger darf derzeit ab einem Zahlungsverzug von mindestens 100 Euro den Strom sperren. Mit knapp 300 Euro waren Stromkunden im Zahlungsrückstand, wenn die Androhung einer Stromsperrung erfolgte. Zwischen Ankündigung und Vollzug der Stromsperre (Übergabe des Sperrauftrages an den örtlichen Netzbetreiber) liegen in der Regel 16 Tage.

Der Anstieg gegenüber dem Vorjahr ist laut der Senatsantwort darin begründet, dass Vattenfall von April 2020 bis Juni 2020 in Berlin nur in Einzelfällen Sperrankündigungen ausgesprochen und Sperraufträge an die Netzbetreiber übergeben hat.

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Mitte, Friedrichshain-Kreuzberg und Pankow: Hier gab es die meisten Stromsperrungen

Hintergrund war das vom Deutschen Bundestag im März 2020 beschlossene Moratorium für pandemiebedingten Zahlungsverzug, welches aber nur bis zum 30. Juni 2020 galt. Durch Corona in finanzielle Nöte geratene Bürger konnten damit ihre Zahlungen für Strom und andere Leistungen der Daseinsvorsorge stunden.

Außerdem gaben mehr als 70 Prozent der bundesweit in einem Monitoring befragten Lieferanten an, 2020 zumindest zeitweise freiwillig auf Sperrungen ihrer Kunden verzichtet zu haben. Insgesamt bieten in Berlin 527 Stromlieferanten ihre Leistungen an.

Doch seitdem das Moratorium auslief, schnellen die Zahlen wieder nach oben. Durchgeführt wurden im Jahre 2021 letztlich 12.550 Stromsperrungen. Die meisten Kunden waren davon in Mitte (1694) betroffen, gefolgt von Friedrichshain-Kreuzberg (1290), Pankow (1238) und Lichtenberg (1208). Die wenigsten Stromsperren gab es in Steglitz-Zehlendorf (454).

Die Tabelle führt die durchgeführten Sperrungen von Strom nach Bezirken und Monaten auf. Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie und Betriebe.

Im Sommer wird besonders häufig der Strom abgestellt

Im den Monaten Juni (2021) und Juli (1948) wird besonders häufig der Strom abgestellt, in den Wintermonaten weniger. Im Dezember waren es 527, im Januar 2021 nur 4. 1307 Mal vollzog ein Gerichtsvollzieher die Stromsperre.

Wie lange eine Stromsperre aufgrund von Zahlungsrückständen dauert, wird statistisch nicht erfasst. „Auf Grundlage von Erfahrungswerten dauert die Stromsperre in der Regel ein bis drei Tage“, heißt es in der Senatsantwort.