Blackout in Berlin

Was über die „Vulkangruppe“ bekannt ist

Nach dem Stromausfall im Berliner Südwesten prüfen Ermittler, ob die „Vulkangruppe“ hinter dem Anschlag stecken könnte.

Author - Tobias Esters
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Menschen mit Taschenlampen in einer S-Bahn-Unterführung im Berliner Südwesten.
Menschen mit Taschenlampen in einer S-Bahn-Unterführung im Berliner Südwesten.Mauersberger/Imago

Nach dem massiven Stromausfall im Berliner Südwesten bleibt weiterhin offen, wer tatsächlich hinter dem Anschlag steckt. Zwar tauchte kurz nach der Tat ein Bekennerschreiben auf, unterzeichnet mit dem Namen „Vulkangruppe“. Doch ob diese Gruppierung wirklich für den Stromanschlag verantwortlich ist, ist bislang nicht eindeutig geklärt.

Staatsanwaltschaft hält sich bedeckt

Die Ermittlungsbehörden halten sich bewusst bedeckt. Michael Petzold, Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Berlin, sagte dem Berliner KURIER: „Wir führen derzeit die Ermittlungen und können noch nichts Konkretes sagen.“ Der genaue Tathergang sowie mögliche Täter seien weiterhin Gegenstand der Ermittlungen. Auch sei offen, ob das Verfahren in Berlin bleibt oder an den Bund abgegeben wird. „Wir stehen im Austausch mit dem Generalbundesanwalt“, so Petzold.

Wie mehrere Medien berichten handelt es sich bei den sogenannten „Vulkangruppen“ nach Einschätzung der Sicherheitsbehörden nicht um eine fest organisierte Terrorzelle, sondern um kleine, voneinander unabhängige, linksextreme Kommandos, die unter demselben Namen auftreten. Ob hinter früheren Taten und dem aktuellen Stromanschlag dieselben Personen stehen, ist ebenfalls unklar Auch wie viele Täter beteiligt waren oder ob sie allein oder in Gruppen agierten, können die Ermittler noch nicht sagen.

Einsatzkräfte der Polizei stehen an der Brandstelle einer Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal.
Einsatzkräfte der Polizei stehen an der Brandstelle einer Kabelbrücke vor dem Kraftwerk Lichterfelde am Teltowkanal.Michael Kappeler/dpa

Das Bekennerschreiben selbst wirft viele Fragen auf. Tonfall und Inhalt weichen von früheren Schreiben ab, die der sogenannten Vulkangruppe zugeschrieben wurden. Statt aggressiver Kampfansagen enthält der Text ungewohnt zurückhaltende Passagen, teils sogar Entschuldigungen gegenüber betroffenen und vor allem hilfsbedürftigen  Anwohnern.

Der Name geistert seit über zehn Jahren durch Berlin

Der Name „Vulkangruppe“ wird immer wieder genutzt, wenn sich Linksextreme zu Brandanschlägen bekennen. Die erste Tat, bei der diese Kennung gefallen ist, liegt bereits über zehn Jahre zurück. 2011 wurde nach einem Brandanschlag auf eine Kabelbrücke am Bahnhof Ostkreuz der Bahnverkehr im Osten Berlins stundenlang lahmgelegt.

Diese Anschläge stehen mutmaßlich im Zusammenhang mit der „Vulkangruppe“.
  • 2013: Brandanschlag auf einen Funkmast in Berlin-Adlershof
  • 2016: Kabelbrand an einer Regionalbahnstrecke
  • 2018: Brandanschlag auf Starkstromkabel in Charlottenburg – 6000 Haushalte ohne Strom
  • 2020: Anschlag auf das Berliner Heinrich-Hertz-Institut
  • 2021: Angriff auf die Stromversorgung des Tesla-Werks in Grünheide
  • 2024: Brandanschlag auf einen Strommast nahe Grünheide

Warum heißen sie „Vulkangruppe“?

Der Name geht laut Sicherheitsbehörden auf den Vulkanausbruch des isländischen Eyjafjallajökull im Jahr 2010 zurück, der den Flugverkehr in Europa wochenlang lahmlegte. Die Täter wollten offenbar ein ähnliches Bild erzeugen: maximale Störung kritischer Infrastruktur.


Was sagen Sie zur Vulkangruppe? Schicken Sie uns einen Leserbrief mit Ihrer Meinung per Mail an leser-bk@berlinerverlag.com