Umbenennung in Charlottenburg

Warum der Joachimsthaler Platz jetzt Grünfeld-Ecke heißt

Der bekannte Joachimsthaler Platz in Berlin-Charlottenburg trägt ab sofort den Namen Grünfeld-Ecke – zu Ehren einer jüdischen Familie.

Author - Sharone Treskow
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Familie Grünfeld bei der feierlichen Umbenennung des Platzes.
Familie Grünfeld bei der feierlichen Umbenennung des Platzes.Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf

Hier ist jeder Berliner zumindest schonmal vorbeigefahren: Der ehemalige Joachimsthaler Platz liegt zwischen dem Kurfürstendamm und der Joachimthaler Straße – gegenüber vom berühmten Kranzler Eck. Auf dem Platz gibt es neben dem kultigen Käthe Wohlfart-Store auch einen Eingang zum U-Bahnhof Kurfürstendamm. Doch ein großes Detail hat sich hier nun verändert: Der Platz ist offiziell umbenannt worden!

Joachimsthaler Platz heißt jetzt Grünfeld-Ecke

In einer Pressemitteilung berichtet das Bezirksamt von Charlottenburg-Wilmersdorf jetzt von der Umbenennung des Joachimsthaler Platzes. „Durch den neuen Namen Grünfeld-Ecke soll an das Kaufhaus und die Familie Grünfeld erinnert werden. Das Grünfeld-Kaufhaus prägte den Platz seit seiner Eröffnung im Jahr 1926, sodass die Ecke im Volksmund bald Grünfeld-Eck hieß“, erklärt ein Sprecher.

Auf dem Platz steht auch schon ein Schild mit dem neuen Namen, das am Mittwoch feierlich in Anwesenheit zahlreicher Mitglieder der Familie Grünfeld enthüllt wurde. Wer den Joachimsthaler Platz jetzt googelt, wird auch schon auf die neue Bezeichnung Grünfeld-Ecke verwiesen.

Zur Geschichte: Die Familie Grünfeld installierte im Jahre 1873 nicht nur den ersten Versandhandel – Heinrich Grünfeld, war später ab 1919 auch der Gründungspräsident der Hauptgemeinschaft des Deutschen Einzelhandels, bis er dieses Amt im Jahr 1933 aufgab und damit auf die massiven Angriffe in der NS-Propagandaschrift „Der Stürmer“, sowie nationalsozialistische Beschlüsse des Vorstandes des HdE reagierte. 1939 emigrierte die Familie Grünfeld dann nach Palästina.

Diese Tafel ziert jetzt die neue Grünfeld-Ecke.
Diese Tafel ziert jetzt die neue Grünfeld-Ecke.Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf

Jüdisches Leben in Berlin soll wieder sichtbarer werden

Der für den öffentlichen Raum zuständige Stadtrat Oliver Schruoffeneger ergänzt zur Umbenennung des Platzes: „Seit 2022 erarbeiten wir zusammen mit dem Zentrum für zeitgenössische jüdische Kultur im Bezirk eine Übersicht über wichtige Orte des jüdischen Lebens im Bezirk, um diese dann im öffentlichen Raum wieder sichtbar zu machen.“

Weiter beteuert er: „Mit der Einleitung des Umbenennungsverfahrens tragen wir der herausragenden Bedeutung Grünfelds nicht nur für die Entwicklung der City West, sondern auch für die Entwicklung des Handels in Deutschland insgesamt Rechnung. Die Entwicklung der City West ist ohne das jüdische Leben in den zwanziger Jahren des vorherigen Jahrhunderts völlig undenkbar.“

Dies müsse stärker als bisher auch im öffentlichen Raum des Bezirks deutlich werden. „Die Benennung eines zentralen Ortes bildet den Auftakt einer intensiveren Auseinandersetzung mit dem jüdischen Leben in Charlottenburg-Wilmersdorf im öffentlichen Raum.“ ■