Das mutierte Coronavirus bedroht Berlin.  Foto: imago images/Science Photo Library

Die gefürchtete britische Corona-Mutation bedroht Berlin. Hart betroffen ist bereits die Humboldt-Klinik in Reinickendorf. Bei bislang mindestens 22 Menschen dort ist die deutlich ansteckendere Corona-Variante nachgewiesen worden. RTL berichtet, dass bis zu 50 weitere Patienten und Mitarbeiter betroffen sein könnten. Auf Nachfrage des KURIER wollte Vivantes das bisher aber nicht bestätigen.  

Nach Angaben des Reinickendorfer Gesundheitsamts-Leiters Patrick Larscheid haben sich inzwischen auch mindestens zwei Personen außerhalb eines Berliner Krankenhauses infiziert. In einem Fall sei eine Angehörige eines entlassenen Patienten betroffen, in einem anderen Fall eine Person, die Kontakt zu einem entlassenen Patienten hatte, aber nicht zu seinem Haushalt gehöre. Er rechne außerdem damit, dass die Variante in ausstehenden Testergebnissen eine Rolle spielen werde. Larscheid warnte aber dennoch davor, die Situation zu dramatisieren. Das Geschehen sei noch begrenzt.

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Am Spandauer Vivantes-Klinikum seien zwei Personen betroffen, sagte der geschäftsführende Direktor des Vivantes Humboldt-Klinikums Jürgen Kirschbaum. Weitere Befunde nach Testungen stehen demnach noch aus. Auch an der Charité wurde inzwischen bei einem Patienten das mutierte Virus entdeckt.

„Dass die neue Mutation infektiöser ist, scheint sich zu bewahrheiten. Wir spüren es am eigenen Leib“, sagte Johannes Danckert, Geschäftsführer des Klinik-Betreibers Vivantes in einem ZDF-Interview. Der Berliner Bevölkerung rät der Vivantes-Chef eindringlich, sich an die Schutzverordnung zu halten, FFP2- oder medizinische Masken zu tragen und Abstand zu halten.

Vivantes-Geschäftsführer Johannes Danckert. Foto: Gerd Engelsmann

In der Humboldt-Klinik hat das offenbar wenig geholfen. Die Coronavirus-Mutation B.1.1.7 habe sich dort ausgebreitet, obwohl sich  alle an die Hygiene-Regeln gehalten haben, so Danckert.

Zunehmend unübersichtliche Lage

Den Aufnahmestopp an der Klinik hat der zuständige Amtsarzt mit der zunehmend unübersichtlichen Lage begründet. Es habe sich immer deutlicher abgezeichnet, dass auch wenige andere Fälle, in denen die zuerst in Großbritannien beschriebene Virusvariante entdeckt wurde, in Zusammenhang mit dem Krankenhausausbruch stehen, sagte Reinickendorfs Amtsarzt, Patrick Larscheid, am Montag bei Radioeins. „Es fing an, so ein bisschen auszufasern.“

Das Vivantes Humboldt-Klinikum in Reinickendorf steht unter Quarantäne.  Foto: Paul Zinken/dpa

Zudem habe es sehr starke Hinweise gegeben, dass sich das Geschehen möglicherweise im Humboldt-Klinikum schon stärker verteilt habe. Es sei nicht mehr deutlich gewesen, ob es sich um einen Ausbruch oder parallele Ausbrüche handle. Den Beteiligten sei ziemlich schnell klar gewesen, dass man keine andere Chance als den Aufnahmestopp habe, „wenn wir überhaupt noch was retten wollen“, erklärte Larscheid.

Gleichwohl sei allen bewusst, dass es ein sehr schmerzhafter Schritt sei. Wie genau die Virusmutation in die Klinik gelangte, sei noch unklar - mehrere Hypothesen würden verfolgt, schilderte der Amtsarzt.

Patrick Larscheid, Amtsarzt in Reinickendorf.  Foto: Paul Zinken/dpa

Im Zuge verstärkter Untersuchungen im Hinblick auf die befürchtete Ausbreitung von Corona-Varianten auch hierzulande waren Mitte vergangener Woche in der Vivantes-Klinik Nachweise von B.1.1.7 bekannt geworden. Die Zahl der Betroffenen wuchs nach und nach auf 20 an. Laut Vivantes sind es 14 Patienten und 6 Mitarbeiter einer Station für Innere Medizin und Kardiologie. Es handelt sich nicht um die ersten Nachweise der Variante in Berlin - auffällig ist hier jedoch, dass sich keine Verbindungen zu Reisen nach Großbritannien rekonstruieren ließen.

500 Menschen werden getestet

Der Aufnahmestopp gilt seit der Nacht zum Samstag. Notfälle werden in andere Krankenhäuser gebracht. Nach Angaben vom Wochenende sind rund 400 Menschen in der Klinik in Behandlung. Die 1700 Mitarbeiter stehen unter sogenannter Pendelquarantäne. Sie dürfen nur zwischen ihrem Zuhause und der Klinik unterwegs sein.

Derzeit werden in der Humboldt-Klinik 500 Mitarbeiter und Patienten mit Hochdruck getestet. Einen offiziellen neuen Zwischenstand gebe es noch nicht, sagt Vivantes-Chef Danckert: „Ich denke, dass wir morgen Abend mit den Testungen durch sind. Dann werden wir hoffentlich wissen, in welche Richtung, sich das Infektionsgeschehen entwickelt.“