Das Notkrankenhaus auf dem Messegelände wird eröffnet, wenn die Krankenhäuser überlastet sind.  camcop media / Andreas Klug

Die gefürchtete britische Corona-Mutation hat das Humboldt-Klinikum schwer getroffen. 24 Menschen sind damit infiziert – davon zehn Patienten, zehn Mitarbeiter sowie zwei Patienten, die ins Klinikum Spandau verlegt wurden. Außerdem sind zwei weitere Menschen, eine Angehörige eines entlassenen Patienten sowie eine Nachbarin eines Patienten, mit der Virus-Mutation infiziert.

Seit Sonnabend ist die Klinik geschlossen. Der Geschäftsführer des Klinik-Betreibers Vivantes, Johannes Danckert sagt, dass aktuell  die 1700 Mitarbeiter getestet werden, bei 1100 sei es schon geschehen. Außerdem seien die 452 Patienten untersucht worden. Er fügte hinzu: „Die Lage ist nicht einfach für uns, wir setzen alles daran, die neue Virus-Variante aufzuspüren.“

Patrick Larscheid, Amtsarzt von Reinickendorf, sagt: „Wir können aktuell noch nicht vollständig die Lage überblicken. Wir erwarten weitere Zahlen und sind sicher, dass die Mutante dabei eine Rolle spielen wird.“ Larscheid betonte aber auch, dass zurzeit das Humboldt-Klinikum von der gefährlichen Mutante betroffen sei – und nicht Gesamt-Berlin ein Problem habe oder die Stadt ein Hotspot der Mutante sei.

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Zurzeit beschränke man es auf die Klinik und das Umfeld. Danckert appellierte noch einmal daran, die Impfungen voranzutreiben. Leider fehle es an Impfdosen. Das sei aber kein exklusives Berlin-Problem.

Nach der Schließung des Humboldt-Klinikums ist man auch in anderen Krankenhäusern alarmiert. An der Charité wurde inzwischen ebenfalls bei einem Patienten das mutierte Virus entdeckt. Die Charité ist seit Weihnachten im Notbetrieb. Insgesamt sind die Intensivstationsbetten der Berliner Kliniken zu 30,5 Prozent mit Corona-Patienten belegt, die Ampel steht damit auf Rot. 387 Patienten liegen dort, davon werden 302 beatmet (Stand 24. Januar). 

Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) wies am Wochenende hin, dass die Klinikkapazitäten noch belastbar seien. Solange es Platz gebe, müsste man das errichtete Corona-Krankenhaus auf dem Messegelände mit über 500 Betten noch nicht einsetzen.

Droht eine Überlastung der Krankenhäuser? 

Kommt es aber zur Überlastung der Berliner Krankenhäuser, „ordnet die Senatsgesundheitsverwaltung die sukzessive Inbetriebnahme des Corona-Zentrums Berlin an“, so Behördensprecher Moritz Quiske zum KURIER. „Unabhängig von der Mutation des Virus wurde in Hinblick auf die Vorhaltung der Einrichtung der Betreibervertrag mit Vivantes Netzwerk bis zum 30. Juni verlängert.“

Angesichts der neuen Lage erwägt die Charité zurzeit, ob der Notbetrieb auf den Stationen verlängert wird, außerdem soll es weiterhin ein Besuchsverbot an allen Standorten in Wedding, Mitte und Steglitz geben. Das gilt vorerst bis Ende des Monats. 

Barbara Ogrinz von der Berliner Krankenhausgesellschaft: Weitere Maßnahmen zur Abwehr der Virusvariante müssten nun gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Gesundheit, Pflege und Gleichstellung, der Berliner Feuerwehr und den Amtsärzten „dringlich“ erörtert werden.

Eine zentrale Forderung der Berliner Krankenhausgesellschaft: Die Impfung aller Beschäftigten in den Kliniken. Das müsse jetzt mit Hochdruck ermöglicht werden. Das Problem: Nach wie vor ist zu wenig von dem Serum vorhanden, viele von den Medizinern oder dem Pflegepersonal seien nach wie vor nicht geimpft.

Wie viel Impfstoff bekommt Berlin? 

Laut Gesundheitsbehörde sollen in dieser und in der kommenden Woche 52.650 Dosen des Biontech/Pfizer-Serums in Berlin eintreffen. Zwei weitere Lieferungen von je 35.100 Dosen sind bis Ende Februar angekündigt. Doch keiner weiß, ob Berlin tatsächlich diese Mengen erhalten wird. Schon jetzt steht fest, dass die Stadt 17.500 Dosen weniger als geplant bekommt, wie Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) bereits im Gesundheitssauschuss sagte.

Von dem Moderna-Impfstoff sollen in dieser Woche 3600 Dosen kommen, bis Ende Februar folgen zwei weitere Lieferungen mit je 9600 und 30.000 Dosen.

Doch können die Corona-Impfstoffe die Mutationen bekämpfen? Der Hersteller Biontech weist darauf hin, dass sein derzeitiger Impfstoff gegen den in England mutierten Virus-Stamm B.1.1.7-Stamm schützend wirken kann. Darauf ließen Studien schließen, die an Probanden durchgeführt wurden.