Der Dachstuhl des Restaurants Müggelhort in Köpenick wurde durch das Feuer völlig zerstört. Foto: Berliner Kurier/Katrin Bischoff

Verkohlte Dachbalken ragen aus dem gemauerten Gebäude, das am Wasser zwischen dem Großen und Kleinen Müggelsee liegt. Gleich neben dem versperrten, seeseitigen Eingangstor hängt noch eine Kaffeekarte. Zwei geöffnete Sonnenschirme hinter dem Zaun zeugen von besseren Zeiten. Denn Eisbecher, Crepes und Kaffee, die auf der vergilbten Karte stehen, wurden im Waldrestaurant Müggelhort schon seit Jahren nicht mehr kredenzt. Und ob das jemals wieder geschehen wird, ist mehr als fraglich. In der Nacht zu Montag brannte der Dachstuhl des 120 Jahre alten Restaurants im Köpenicker Ortsteil Müggelheim aus. Auf dem Grundstück stehen nun die traurigen Überreste des einst beliebten Ausflugslokals.

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Schaulustige aus Müggelheim oder Wendenschloß sind an diesem Mittwoch am Müggelhort unterwegs. Erwin Kreutz steht an dem Metallzaun, der ihm den Weg aufs Grundstück versperrt, und schaut auf den ausgebrannten Dachstuhl. „Das ist echt schade“, sagt der 75-Jährige. Er ist extra mit dem Auto gekommen, um sich das „Drama, das dieser schönen Gaststätte“ widerfahren sei, anzuschauen. Feiern mit der ganzen Familie habe er hier gegeben. Einige Male sei der Biergarten auch Ziel kleiner Wanderungen gewesen. Er glaube nun nicht mehr daran, dass es hier wieder einen Gastronomiebetrieb geben werde.

Das Lokal, mitten im Wald gelegen und seit vier Jahren leer stehend, hat eine lange Geschichte. 1901 gebaut, blieb es viele Jahrzehnte im Besitz der Familie Böhm. Ende der 1960er-Jahre ging das Restaurant in der HO auf, gelangte erst wieder nach der Wende in Familienbesitz. 1996 wurde der Hotelbereich neu errichtet, das Areal zehn Jahre später verkauft. Seitdem steht es leer.

Eine 69-jährige Frau aus Müggelheim hat Tränen in den Augen, als sie den ausgebrannten Dachstuhl sieht. „Ein Bekannter hat mir Fotos von dem Feuer geschickt, ich konnte es erst gar nicht glauben“, sagt sie. Sie habe ihren 50. Geburtstag in dem Restaurant gefeiert und sei auch mit den Enkelkindern immer wieder hier gewesen. „Man konnte am Wasser sitzen und die Boote auf dem Wasser beobachten“, erzählt sie. Es sei schon auffällig, wie oft es in der Gegend brenne, meint sie dann.

In der Nacht zu Montag brach das Feuer im Waldrestaurant Müggelhort aus. Foto: imago images/Marius Schwarz

Tatsächlich sind schon einige Restaurants in Köpenick durch Brände zerstört worden. 1997 traf es das traditionsreiche Ausflugslokal Marienlust am Langen See. Das an der Müggelspree gelegene Neuhelgoland wurde zweimal durch Feuer verwüstet und immer wieder aufgebaut. In der Trattoria del Mare am Kleinen Müggelsee brach vor zwei Jahren ein Brand aus. Das Café Evelyn am Spreeufer wurde nach einem Feuer 2018 abgerissen und wieder errichtet. Auch in der einstigen Ausflugsgaststätte Gesellschaftshaus in Grünau, das zusammen mit der benachbarten Riviera in eine Seniorenresidenz umgebaut wird, brannte es im vorigen Jahr.

Viele der Schaulustigen am Müggelhort sind davon überzeugt, dass es sich bei dem Feuer um einen warmen Abriss handelt. Das kann die Polizei nicht bestätigen. Noch werde die Brandursache ermittelt, heißt es. Bezirksbürgermeister Oliver Igel (SPD) schüttelt den Kopf. „Es gibt niemanden, dem ein warmer Abriss nutzen könnte“, sagt er. Nach seinen Worten habe es im vorigen Jahr mehrfach Gespräche mit dem Eigentümer des Areals gegeben habe. Klar sei, dass das Restaurant abgerissen und im Siedlungsbereich des Grundstücks Wohnbebauung stattfinden dürfe.  „Der Neubau von Wohnungen ist auf einem Teil auch geplant“, sagt Igel. Ein Bauantrag sei bereits eingegangen und werde demnächst wohl auch genehmigt.