Seit Jahren wird in Berlin um den Namen Mohrenstraße gestritten.
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Über keinen anderen Straßennamen dürfte in Berlin in der Vergangenheit so intensiv diskutiert worden sein wie über den der Mohrenstraße. Viele Aktivisten sehen die Namensgebung als rassistisch an und setzten eine Umbenennung immer mal wieder auf die Agenda. Der Straßenname in Mitte wird zwar vorerst bleiben, dafür lenkt die BVG nun bei der dazugehörigen U-Bahn-Station ein. Künftig wird dort nicht mehr die Haltestelle Mohrenstraße angefahren, sondern die Glinkastraße, die auch in unmittelbarer Umgebung zu finden ist und nach dem russischen Komponisten Michail Iwanowitsch Glinka (1804-1857) benannt wurde.

Die letztendliche Entscheidung über die Umbenennung wurde auch vor dem Hintergrund der Black-Lives-Matter-Bewegung getroffen, wie Dr. Rolf Erfurt (47), Betriebsvorstand der BVG bei einem Ortstermin an der Mohrenstraße erklärt: „Es ist eine gesamtgesellschaftliche Bewegung, und die BVG hat sich im Rahmen des Diversity Tages Gedanken dazu gemacht. Wir haben Kolleginnen und Kollegen aus 51 Nationen bei uns. Wir haben noch mal kritischer über den Namen dieser Station nachgedacht und uns dazu entschieden, die Umbenennung anzustoßen.“

Dr. Rolf Erfurt (47), Betriebsvorstand der BVG erklärt die Beweggründe für die Umbenennung der Mohrenstraße. Foto: Sabine Gudath

Bis es soweit ist, kommt auf die BVG aber noch jede Menge Arbeit zu. „Es ist nicht damit getan, mal eben zwei Schilder am U-Bahnhof auszutauschen. Wir müssen die ganzen Liniennetzpläne ändern, es müssen Fahrpläne neu hinterlegt werden in den digitalen Informationsmedien. Das ist alles ein riesiger Aufwand für uns. Zum Fahrplanwechsel im Dezember wird die Umbenennung dann vollzogen sein“, sagt Erfurt. Der KURIER hat Berliner an der besagten U-Bahn-Station befragt, was sie von diesem Beschluss halten.

Die BVG wird den U-Bahnhof Mohrenstraße in Glinkastraße umbenennen. Eva Göllner (56) aus Schöneberg findet das gut. Foto: Sabine Gudath

Eva Göllner (56) aus Schöneberg: „Ich finde die Umbenennung richtig, weil die Zeiten sich einfach geändert haben. Der Name wirkt rassistisch und die Leute, die von Rassismus betroffen sind, sollen entscheiden können, wie die Straße heißt.“

Norbert Baudach (60) aus Köpenick spricht sich gegen eine Umbenennung aus. Foto: Sabine Gudath

Norbert Baudach (60) aus Köpenick: „Ich finde es ist absoluter Schwachsinn und habe den Eindruck, dass der Senat viel zu viel Geld hat. Überall werden die Millionen verschwendet – ob am Schloss, am BER oder jetzt hier.“

Anita Walter (82) aus Mitte ist mit dem Beschluss nicht einverstanden. Foto: Sabine Gudath

Anita Walter (82) aus Mitte: „Warum soll die Bahnhof umbenannt werden? Es kann doch so bleiben. Das hat doch mit Mohren überhaupt nichts zu tun. Ich denke nicht, dass durch diesen Namen jemand beleidigt wird. Ich bin dagegen und finde es unmöglich, dass man für so etwas Geld ausgibt.“

Libor Tesacek (43) aus Treptow hält die Entscheidung für richtig. Foto: Sabine Gudath

Libor Tesacek (43) aus Treptow: „Ich denke, dass die Bezeichnung vorbelastet ist und dass es an der Zeit ist, dass man das ändert. Bei vielen anderen Bezeichnungen, in denen das Wort „Mohren“ vorgekommen ist, wurde es ja schon lange angepasst. Natürlich wird das für den Steuerzahler Konsequenzen haben, aber ich glaube, dass es das richtige Signal ist.“

Thais Franca (30) aus Kreuzberg ist absolut dafür. Foto: Sabine Gudath

Thais Franca (30) aus Kreuzberg: „Ich komme aus Brasilien und lebe seit acht Monaten in Berlin. Ich hatte bisher nichts von der Geschichte um diesen U-Bahn-Platz mitbekommen. Bis zur letzten Woche, da habe ich dann im Internet die Diskussion über den Namen entdeckt und mich ein wenig mit der Historie beschäftigt. Es ist schrecklich. Ich hasse diesen Namen. Ich hasse diesen Namen. Es ist die absolut richtige Entscheidung ihn zu ändern.“