Berliner beim Shopping auf dem Tauentzien.
Berliner beim Shopping auf dem Tauentzien. Markus Wächter

Nur in Bremen ist es zurzeit noch schlimmer. Ganz Berlin ist ein Corona-Hotspot: Gleich sechs Berliner Bezirke liegen in der vom Robert-Koch-Institut (RKI) vermeldeten Top 10 der am stärksten vom Corona betroffenen Landkreise in Deutschland. Auf Platz 1 (Stand: 13. Januar): Bremen mit einer Inzidenz von 1438,5. Dahinter folgen Friedrichshain-Kreuzberg mit 1398,2 und Neukölln mit 1248,8.

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Während das bisherige Sorgenkind Sachsen nun die niedrigsten Zahlen (228,3) in Deutschland vermeldet, steigen die Inzidenzen in Berlin raketenartig an. Auch die Plätze 4 (Mitte mit 1149,8), 5 (Reinickendorf mit 1090,0), 8 (Tempelhof-Schöneberg mit 977,2) und 9 (Charlottenburg-Wilmersdorf mit 914,9) gehen an die Hauptstadt. Und schon auf Platz 11 folgt der nächste Berliner Bezirk: Spandau mit 904,9. Auf Platz 13 rangiert Pankow mit 890,2.

Die Grafik des RKI zeigt: Berlin ist ein Corona-Hotspot in Deutschland.
Die Grafik des RKI zeigt: Berlin ist ein Corona-Hotspot in Deutschland. RKI

Und wieso sind die Zahlen in Berlin auf einmal so hoch? „Berlin ist früher als andere Bundesländer nach den Weihnachtsferien in den Unterricht gestartet und hat daher viel mehr getestet“, sagt Neuköllns Amtsarzt Dr. Nicolai Savaskan (48) in der B.Z. „Die Stadt ist zudem bundesweit Spitze, was die Einwohnerdichte angeht.“

Am Donnerstag steigt die Sieben-Tage-Inzidenz für Berlin auf 918,6

Und ein Ende ist leider nicht anzusehen. Auch heute verzeichnet Berlin wieder einen deutlichen Anstieg der Corona-Inzidenz. Der Wert lag nach Angaben des RKI vom Donnerstag bei 918,6 nach 856,4 am Vortag. Die Zahl gibt an, wie viele Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen registriert wurden.

Und Berlins Gesundheitssenatorin Ulrike Gote rechnet mit einem weiteren schnellen und starken Anstieg der Corona-Infektionen durch die Virusvariante Omikron. „Wir werden kurzfristig die 1000er-Inzidenz überschreiten“, sagte die Grünen-Politikerin am Donnerstag im Abgeordnetenhaus.

Auch die, die aufgepasst und alles gegen eine Corona-Infektion getan hätten, werden sich dennoch anstecken

„Omikron bringt mehr Infizierte als frühere Wellen“, so Gote weiter. Das werde auch jeder bei sich oder in seinem Umfeld spüren. „Die Einschläge kommen näher.“ Gute Freunde und Freundinnen, die aufgepasst und alles gegen eine Corona-Infektion getan hätten, würden sich dennoch anstecken. „Das wird uns allen so gehen.“

Deshalb sei es nötig, den Umgang mit Corona ständig anzupassen, sagte Gote mit Blick auf Maßnahmen wie die neuen Regeln für Gastronomie und Veranstaltungen, wo ab Sonnabend nur noch Geboosterte (dreifach Geimpfte) sowie doppelt Geimpfte und Genesene mit zusätzlichem Test Zutritt haben. „Ich sage hier: Eigentlich kann man sich heute nur noch als vollständig geimpft fühlen und bezeichnen, wenn man auch geboostert ist“, so Gote. „Boostern macht den Unterschied.“

Gesundheitssenatorin Ulrike Gote: „Da kämpfen wir gerade um jede Person!“

Das Impfen sei zur Eindämmung der Pandemie immens wichtig, so Gote. Der Senat wolle Impf-Lücken in bestimmten Bevölkerungsgruppen daher „noch einmal ganz verstärkt in Angriff“ nehmen, etwa durch mehr aufsuchende Angebote. Als Beispiel nannte Gote die Altersgruppe von Mitte 20 bis Ende 30, in der es noch viele Ungeimpfte und Ungeboosterte, also Menschen ohne Auffrischungsimpfung, gebe. „Da kämpfen wir gerade um jede Person.“

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Bundesweit beträgt die Sieben-Tage-Inzidenz 427,7. Berlin hat im Ländervergleich einen sehr hohen Inzidenzwert. Nur in Bremen ist er nach den RKI-Daten noch höher. Die Zahl der in Berlin gemeldeten Neuinfektionen liegt bei 7799. Seit Beginn der Pandemie im Frühjahr 2020 ist die Zahl der nachgewiesenen Infektionen damit auf 381.366 gestiegen. Das RKI registrierte 13 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19. Seit Pandemiebeginn sind in Berlin nachweislich 4058 Menschen an oder mit dem Virus gestorben.