In die Arena Treptow kam kaum jemand ohne Termin zum Impfen. Volkmar Otto

Stell dir vor, man kann sich ohne Termin in jedem beliebigen Berliner Impfzentrum gegen Corona impfen lassen und kaum jemand kommt spontan dorthin. So stellte sich die Situation am Freitagvormittag, Tag eins der vorher angekündigten terminlosen Impfaktion, weitgehend dar.

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Wenn man zum Beispiel in der kurzen Schlange vor der Arena in Treptow nachfragte, gab es niemanden, der sich spontan impfen lassen wollte. Alle hatten einen Termin. Sicherheitsleute bestätigten diese natürlich nicht repräsentative Momentaufnahme. Ähnlich war es im Erika-Hess-Eisstadion an der Müllerstraße in Wedding.

Das Spandauer Impf-Drive-in auf dem Ikea-Parkplatz lässt auf sich warten

Während der Start der Terminfreigabe in den verbliebenen fünf Impfzentren also ohne Probleme, aber auch nur mit geringer Resonanz anlief, stockt die Berliner Impfkampagne an einer anderen Stelle. Das Vorhaben der Senatsgesundheitsverwaltung, bereits an diesem Freitag nach Lichtenberg auch auf dem Parkplatz von Ikea in Spandau ein Drive-in-Impfzentrum einzurichten, ist gescheitert. Bis zuletzt fehlten die dafür notwendigen Genehmigungen.

In der Schlange standen nur Berliner, die mit Termin zum Impfen kamen. Volkmar Otto

Das Vorhaben ist bisher ganz offenbar an dem geringen Interesse des Bezirksamts Spandau gescheitert. Dort hatte man die Pläne der Gesundheitsverwaltung in den vergangenen Tagen eher zur Kenntnis genommen, als tatkräftig unterstützt.

Das bezirkliche Gesundheitsamt konzentriere sich lieber auf Impfungen zum Beispiel in Gemeinschaftsunterkünften, Stadtteilzentren, Kirchengemeinden oder anderen Orten, wo sich Menschen treffen, hieß es. Dort bestehe „ein direkter Kontakt zu den Gruppen, die von Parkplatz-Impfaktionen nicht profitieren würden“, lässt Gesundheitsstadtrat Frank Bewig (CDU) mitteilen.

Auch aus dem Gesundheitsamt heißt es, dass viele Menschen nichts wissen von der Möglichkeit, sich terminlos impfen zu lassen, gar kein Auto haben oder generell skeptisch sind. Umso wichtiger seien Informationskampagnen und eine enge Zusammenarbeit etwa mit den Trägern sozialer oder religiöser Einrichtungen im Bezirk.

Ähnlich zurückhaltend hat sich auch das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg zu einem Impf-Drive-in geäußert. In Tempelhof befindet sich bekanntlich ebenfalls eine Ikea-Filiale. Und schon vor Wochen hatte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) gesagt, dass auch dort, wo sie ihre politische Heimat hat, ein solches Impfzentrum eingerichtet werden solle.

Davon war am Freitag in Kalaycis Verwaltung zunächst nichts mehr zu hören. Jetzt wolle man erst einmal Spandau auf den Weg bringen. Am Sonnabend soll dazu eine verbindliche Entscheidung fallen, sodass es möglichst bereits am Sonntag losgehen könnte.

Impfen und clubben: Lange Nacht in der Arena in Treptow mit DJ-Musik

Obwohl die Erfahrungen mit solchen Sonderimpfaktionen nicht immer uneingeschränkt positiv sind, startet Kalaycis Verwaltung nun mit der lange angekündigten „Langen Nacht des Impfens“. Am 9. August steigt die erste Lange Nacht mit Impfungen und DJ-Sets in der Arena in Treptow. Als weitere Termine stehen Mittwoch, der 11. August, und Freitag, der 13. August, fest. Jeweils von 20 Uhr bis Mitternacht sollen Biontech sowie Johnson & Johnson verimpft werden.

Mirco (44, Koch) aus dem Prenzlauer Berg freut sich, jetzt einfach so zum Impfen gehen zu können. Er hatte in der letzten Zeit zu viel zu tun, um sich um einen Termin kümmern zu können. Volkmar Otto

Impfungen seien auch für Jugendliche ab 16 Jahre möglich, die allerdings eine schriftliche Einwilligung ihrer Eltern brauchten, heißt es. „Berlin kann impfen, Berlin kann Party – jetzt machen wir beides zusammen“, kommentiert Senatorin Dilek Kalayci die weitere neue Variante für Impfen ohne Termin.

Reinickendorfer Amtsarzt erklärt mehrsprachig: Impfungen machen nicht unfruchtbar

Die Akzeptanz der Massenimpfungen bleibt also übersichtlich. Als mindestens so wichtig schätzen Fachleute Informationskampagnen ein. Eine solche soll ein mehrsprachiger Podcast sein, von dem das Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten (LAF) zusammen mit dem Amtsarzt des Bezirks Reinickendorf, Patrick Larscheid, jetzt eine neue Folge aufgelegt hat. Der Mediziner informiert darin über die Corona-Impfung für Jugendliche unter 18 Jahren. Besonders wichtig für die Jugendlichen sei, dass eine Impfung den geregelten Schulbesuch, ein Praktikum oder die Aufnahme einer Ausbildung erleichtert.

Amtsarzt Larscheid hat dabei vor allem die jüngeren migrantischen Communitys im Blick. Dort sei gesundheitliche Aufklärung besonders notwendig.

Unterstützung erhält der Amtsleiter des Nord-Bezirks von LAF-Präsident Alexander Straßmeir. „Zehn Prozent der 18.000 geflüchteten Menschen in unseren Unterkünften sind Jugendliche“, sagt Straßmeir. Es sei ihm wichtig, „dass nach den Impfangeboten für Erwachsene nun auch die unter 18-Jährigen seriöse und medizinisch fundierte Informationen zur gesundheitlichen Prävention erhalten.“

Larscheids Ratschlag kann man sich etwa auf Arabisch, Farsi, Russisch und Vietnamesisch anhören. In der deutschsprachigen Version sagt er unter anderem, dass die Impfung „gut und sicher“ sei und man weiter Kinder kriegen könne. Der Hintergrund: Dass die Impfung angeblich die Fruchtbarkeit beeinträchtige, wertet das Robert-Koch-Institut als derzeit kursierende Fehlinformation.

Die mehrsprachigen Podcasts stehen bereit unter: https://www.berlin.de/laf/leistungen/gesundheit/infektionsschutz/