Beschlagnahmte CDs von Blood & Honour imago/ZUMA Wire

Sie wurde verboten, aber ihre Mitglieder machen einfach weiter. Die illegale Berliner Neonaziorganisation Blood & Honour (Blut und Ehre) muss sich dafür jetzt vor Gericht verantworten, in München.

Vor dem Münchner Oberlandesgericht müssen sich ab Montag (9.15 Uhr) elf Männer wegen der illegalen Fortführung der verbotenen Neonaziorganisation Blood & Honour verantworten. Die Generalstaatsanwaltschaft in der bayerischen Hauptstadt wirft ihnen einen Verstoß gegen ein strafrechtliches Vereinigungsverbot vor.

Ein Teil der Beschuldigten muss sich zudem wegen Volksverhetzung und der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen verantworten. Blood & Honour ist in Deutschland seit dem Jahr 2000 verboten. Der damals in der Szene unter dem Spitznamen „Pinocchio“ bekannte Stephan L. dirigierte von Berlin aus die damals mehrere Hundert Mitglieder zählende „Deutschland Division“. Der Rechtsrock-Nazi wurde gemeinsam mit seiner Freundin von der Berliner Polizei festgenommen.

Außerdem beschlagnahmten Beamte des Staatsschutzes und die Spezialeinheit PMS (Politisch motivierte Straßengewalt) mehr als 1500 CDs mit rechtsextremer Musik.

„Pinocchio“ dirigierte Blood & Honour von Berlin aus

Die rechtsextreme Organisation wurde vom Bundesinnenministerium in Berlin aufgelöst, der Weiterbetrieb ist strafbar. Laut Anklage sollen die jetzt vor Gericht stehenden Männer zwischen 2016 und 2018 trotzdem das Ziel verfolgt haben, die Strukturen weiterzuführen und durch die Vermarktung der in einschlägigen Kreisen bekannte „Marke“ extremistische Ideen zu verbreiten. Dabei geht es vor allem um den Verkauf von Musik-CDs und Artikeln mit rechtsradikalen Symbolen.

Die Rechtsextremen sollen von 2016 bis 2018 eine Struktur der Blood & Honour Division Deutschland aufgebaut und Untergliederungen in Bayern, Baden-Württemberg und Thüringen geschaffen haben. Außerdem wird einzelnen Angeklagten Volksverhetzung und das Verwenden von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen zur Last gelegt.

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„Blood & Honour“ wurde Ende der 80er-Jahre in Großbritannien gegründet. Der Name entspricht dem Leitmotiv der SS. Das Netzwerk war schnell in mehr als einem Dutzend Staaten präsent. Schwerpunkt der Aktivitäten war und ist das Geschäft mit rechtsextremer Skinhead-Musik.