Anti-israelische Demonstration am Sonnabend in Berlin imago/NurPhoto

Nach den anti-israelischen Demonstrationen palästinensischer Gruppen und arabischstämmiger Jugendlicher in Berlin wertet die Polizei Videos aus, um die Täter zu identifizieren. Die Polizei wies Kritik daran zurück, dass insbesondere die Demonstration am Samstag in Neukölln nicht beendet worden sei. Es komme darauf an, ob die antisemitischen Rufe und Parolen von Einzelnen, Gruppen oder aus einer ganzen Demonstration heraus erfolgten, sagte ein Polizeisprecher am Montag.

Man habe die Situation vor Ort beobachtet und eigens einen Dolmetscher dabeigehabt, der arabische Parolen übersetzt habe. Anderseits könne die Polizei bei einer Demonstration mit vielen Hundert Teilnehmern nicht alles sehen und hören. Auch am 1. Mai werde die Polizei mögliche antisemitische Plakate oder Parolen aus dem ersten Block der linken Gruppe „Migrantifa“ sehr genau im Auge haben.

Judenhass mitten in Berlin

Bei den Demonstrationen gegen Israel waren mehrere Hundert pro-palästinensische Demonstranten durch Kreuzberg und Neukölln gezogen, antisemitische und volksverhetzende Parolen wurden gebrüllt. Am Freitag warfen Teilnehmer Steine und Böller, Polizisten wurden verletzt. Am Samstag flogen dann Plakate und Holzstangen auf die Polizisten. Dazu wurden Journalisten beleidigt und angegriffen. In einer Videosequenz vom Hermannplatz rufen Männer „Drecksjude“. Mehrere Demonstranten wurden festgenommen.

Der Berliner Antisemitismus-Beauftragte Samuel Salzborn sagte, der Hass richte sich direkt gegen alle Juden. „Der Kern dieser Versammlungen ist Antisemitismus, sonst nichts.“ Der Zentralrat der Juden in Deutschland erklärte: „Der Judenhass kommt so regelmäßig wie das NieWieder. Es ist Zeit zu handeln!“

Der Psychologe und Autor Ahmad Mansour betonte, Gründe für den Antisemitismus der palästinensischen Demonstranten seien weder Trauma noch Diskriminierung oder Perspektivlosigkeit und „auch keine biographische Nähe zu den Ereignissen“ in Palästina. „Es sind die Erziehungsmethoden, Religionsverständnisse, Bildung und Medien, die täglich daran arbeiten, diesen Hass weiter zu schüren.“