Zoo und Ostbahnhof

Alkoholverbot auf Berliner Bahnhöfen ab 1. Mai – was bringt das?

Das Caritas‑Projekt „Sozialraum Bahnhof“ will Bahnhöfe als soziale Räume begreifen – mit Beratung, Unterstützung und Präsenz vor Ort.

Author - Paula Hitzemann
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Ab dem 1. Mai gilt am Bahnhof Zoo und am Ostbahnhof in Berlin ein unbefristetes Alkoholverbot.
Ab dem 1. Mai gilt am Bahnhof Zoo und am Ostbahnhof in Berlin ein unbefristetes Alkoholverbot.Markus Wächter/Berliner Zeitung

Ab dem 1. Mai soll an den großen Berliner Bahnhöfen Ostbahnhof und Zoologischer Garten ein Alkoholverbot gelten. Ziel: mehr Sicherheit, weniger Konflikte, höhere Aufenthaltsqualität. Doch die Caritas warnt davor, allein auf Verbote zu setzen, und fordert mehr soziale Hilfe vor Ort.

Bahnhöfe als Brennpunkte sozialer Probleme

„Das Anliegen, Sicherheit und Aufenthaltsqualität an Bahnhöfen zu verbessern, ist wichtig. Dabei müssen soziale Anlaufstellen an Bahnhöfen unbedingt eingebunden werden. Allein mit einem Alkoholverbot ist es nicht getan“, sagt Caritas‑Präsidentin Eva Welskop‑Deffaa in einer Pressemitteilung.

Der Bahnhof Zoo ist nicht nur ein Verkehrsort, sondern ein sozialer Ort mit Geschichte.
Der Bahnhof Zoo ist nicht nur ein Verkehrsort, sondern ein sozialer Ort mit Geschichte.Gerald Matzka

Bahnhöfe seien besondere Orte: Hier treffen Reisende, Obdachlose, suchtkranke Menschen, Jugendliche und Pendler auf engem Raum zusammen. Für die Caritas sind sie deshalb auch Kristallisationspunkte gesellschaftlicher Probleme, die eine stärkere Präsenz von Beratungs- und Unterstützungsangeboten an und in der Nähe von Bahnhöfen benötigen. „Sicherheit entsteht dort, wo soziale Probleme sozial beantwortet werden“, betont Welskop‑Deffaa.

Mit anderen Worten: Verdrängen allein reiche nicht. Wer trinkt, weil er wohnungslos ist oder keine Perspektive hat, werde durch ein Verbot nicht automatisch verschwinden.

Hilfe statt nur Ordnung

Genau deshalb setzt die Caritas bundesweit auf ihr Projekt „Sozialraum Bahnhof“. An 15 Bahnhöfen werden dort soziale Arbeit, Prävention und Ordnungspolitik miteinander verknüpft. „Dieser integrierte Ansatz muss Schule machen – flächendeckend und dauerhaft“, fordert die Caritas‑Präsidentin. Das Ziel: Konflikte früh entschärfen, Menschen ansprechen, beraten und begleiten – statt sie nur zu kontrollieren oder zu vertreiben.

130 Jahre Bahnhofsmission

Die Bahnhofsmission ist seit über 130 Jahren an deutschen Bahnhöfen präsent – oft die erste Anlaufstelle für Menschen in Not.

Der Bahnhof Zoo ist nicht nur Verkehrsknotenpunkt, sondern auch Aufenthaltsort für viele unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen.
Der Bahnhof Zoo ist nicht nur Verkehrsknotenpunkt, sondern auch Aufenthaltsort für viele unterschiedliche gesellschaftliche Gruppen.Markus Wächter/Berliner Zeitung

„Seit jeher treffen an Bahnhöfen Menschen mit unterschiedlichen Bedürfnissen aufeinander“, sagt Josef Lüttig, Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft der Katholischen Bahnhofsmissionen. Er fordert: „Bahnhofsmissionen als zentrale Akteure für alle Hilfesuchenden am Bahnhof müssen gestärkt und bei politischen Entscheidungen verbindlich beteiligt werden.“

Er warnt davor, Bahnhöfe zu reinen Durchgangszonen für „Problemfreie“ zu machen: „Öffentliche Räume müssen für alle zugänglich bleiben – auch für die Schwächsten.“

Ein Verbot allein löst das Problem nicht

Das geplante Alkoholverbot soll für mehr Ordnung sorgen – doch Sozialverbände mahnen: Ohne Hilfsangebote droht Verlagerung statt Lösung. Menschen verschwinden nicht, Probleme schon gar nicht.

Die zentrale Frage bleibt also:
Reicht ein Verbot – oder braucht Berlin an seinen Bahnhöfen mehr Hilfe, Beratung und Präsenz sozialer Arbeit, damit Sicherheit für alle entsteht?

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