Kein Schwein ruft sie an. Ja, wie denn auch – seit dem Morgen sind die Wut-Rentner von Pankow von der Außenwelt abgeschnitten. Fernmündlich geht nichts mehr in der Stillen Straße. Das Telefon ist abgeklemmt.
Morgens war noch das Radio dagewesen, hatte von der mittlerweile über zwei Wochen andauernden Besetzung der Rentner berichtet. Als später eine der Besetzer telefonieren wollte, war die Leitung tot.
Anrufer von draußen hören bloß noch „Kein Anschluss unter dieser Nummer“. Die lebenswichtige Nabelschnur zu Medien und Unterstützern ist gekappt. Bei der Störungsstelle der Telekom erhielten die Senioren die Auskunft, der Anschluss sei gekündigt worden. Auch bei der Telefonauskunft sind die Rentner von der Stillen Straße nicht mehr registriert.
Doch bei Nachforschungen beim Bezirk lässt Pankows Bürgermeister Mattias Köhne (SPD) seine Sekretärin in Sachen Stille Straße an die zuständige Stadträtin Lioba Zürn-Kasztantowicz verweisen und die ist nicht zu sprechen. Für die Rentner ist eh klar: Das ist nur ein weiterer Schritt, um sie zum Auszug zu bewegen. Erst der abgeschlossene Sportraum, dann die Computer, die abtransportiert wurden. Jetzt eben das Telefon. „Wir rechnen mit weiteren Aktionen vom Bezirk“, so Margret Pollack
Doch schrecken kann sie die tote Leitung nicht wirklich: „Wir haben alle Handys“, erzählt Doris Syrbe, „Alle lägst mobil unterwegs“, so Elli Pomerenke. Und so glühen am Vormittag die Ladekabel in der Küche. Und wenn die Akkus voll sind, geht er weiter, der Kampf um die Begegnungsstätte in der Stillen Straße. Für Sonnabendnachmittag hat sich Schauspielerin Jasmin Tabatabai angekündigt, sie will bei den Senioren eine Lesung veranstalten.
Gregor Gysi macht den Rentnern in der Stillen Straße Mut. „Wenn Sie geräumt werden sollten, rufen Sie mich vorher an“, sagt er und verspricht, Briefe an den Bürgermeister und an Stiftungen zu schreiben. So soll Geld für laufende Kosten reinkommen.
Foto: Uhlemann
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