Donnerstag, 19. Januar 2012
Weg mit Marx und Engels?

Wut-Aufstand der Berliner


Das 1986 fertiggestellte Denkmalensemble für Karl Marx und Friedrich Engels.
Das 1986 fertiggestellte Denkmalensemble für Karl Marx und Friedrich Engels.
Foto: Kaufhold
Berlin –  

Sollen Marx und Engels wirklich aus der Mitte der Stadt verschwinden? Die Berliner toben vor Wut über den Plan von Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU), der die Bronzefiguren der Kommunismus-Begründer verbannen will (KURIER berichtete).

Friedrich Nostitz ist einer der Väter des Denkmals.
Friedrich Nostitz ist einer der Väter des Denkmals.
Foto: Oberst

Marx und Engels weg? Für Friedrich Nostitz (65) ist das keine Frage. Der Kunsthistoriker und Bausachverständige hat mit dem Bildhauer Ludwig Engelhardt († 2001) das 1986 errichtete Denkmal mitgestaltet.

„Herr Ramsauer sollte daran denken, dass Berlins Mitte stets auch ein linkes Zentrum war“, sagt Nostitz. „Hier sprach nach dem Ersten Weltkrieg nicht nur Karl Liebknecht, auch der spätere Reichspräsident Friedrich Ebert – ein Sozialdemokrat.“

Dass die Bronzefiguren nach dem Schloss-Wiederaufbau die Sichtachse der historischen Mitte stören, wie Ramsauer behauptete, hält Notsitz für eine Farce. „Darüber sollten Fachleute für Architektur entscheiden und keine Fachleute für Politik – wie Herr Ramsauer“, sagt er.

Ramsauer will Marx und Engels verbannen - Berliner entrüstet

Bildergalerie ( 8 Bilder )

So diskutieren die KURIER-Leser

Der KURIER schaut dem Volks aufs Maul (und ins Herz) und fordert „Minister Ramsauer: Weg damit!“ Damit trifft das Herzblatt des Berliners ins Schwarze. Wenn Herr Ramsauer also weg soll, muss er ja irgendwohin. Er könnte einen Laden aufmachen und dummes Geschwätz verkaufen. Als ich bei diesen Überlegungen ankam, las ich, dass Herr Ramsauer gar nicht gemeint ist. Gute Nacht, Deutschland.

Dr. Manfred Pilgrim, Prenzlauer Berg

Über den Minister-Plan ist die Mehrheit der Berliner richtig wütend (siehe Fotogalerie). Bei der KURIER-Abstimmung, an der Hunderte Berliner teilnahmen, sind 85 % gegen Ramsauers Vorschlag, Marx und Engels auf die Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde zu verbannen.

Ramsauers Plan wird nun im Senat für Zoff sorgen. Obwohl Bausenator Michael Müller (SPD) klar sagte, dass Marx und Engels bleiben, haut Koalitionspartner CDU voll in die Kerbe des CSU-Ministers.

„Die CDU-Fraktion begrüßt den Diskussionsanstoß. Marx und Engels kommen wegen der Aufrufe zur gewaltsamen Veränderung der Gesellschaft kein Ehrenplatz in der Mitte Berlins zu“, sagt unter anderem CDU-Kulturexperte Uwe Lehmann-Brauns, dessen Kanzlei-Kollege Michael Braun wegen dubioser Immobiliengeschichten als Justizsenator zurücktreten musste.

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