Sollen Marx und Engels wirklich aus der Mitte der Stadt verschwinden? Die Berliner toben vor Wut über den Plan von Bundesbauminister Peter Ramsauer (CSU), der die Bronzefiguren der Kommunismus-Begründer verbannen will (KURIER berichtete).
Marx und Engels weg? Für Friedrich Nostitz (65) ist das keine Frage. Der Kunsthistoriker und Bausachverständige hat mit dem Bildhauer Ludwig Engelhardt († 2001) das 1986 errichtete Denkmal mitgestaltet.
„Herr Ramsauer sollte daran denken, dass Berlins Mitte stets auch ein linkes Zentrum war“, sagt Nostitz. „Hier sprach nach dem Ersten Weltkrieg nicht nur Karl Liebknecht, auch der spätere Reichspräsident Friedrich Ebert – ein Sozialdemokrat.“
Dass die Bronzefiguren nach dem Schloss-Wiederaufbau die Sichtachse der historischen Mitte stören, wie Ramsauer behauptete, hält Notsitz für eine Farce. „Darüber sollten Fachleute für Architektur entscheiden und keine Fachleute für Politik – wie Herr Ramsauer“, sagt er.
Der KURIER schaut dem Volks aufs Maul (und ins Herz) und fordert „Minister Ramsauer: Weg damit!“ Damit trifft das Herzblatt des Berliners ins Schwarze. Wenn Herr Ramsauer also weg soll, muss er ja irgendwohin. Er könnte einen Laden aufmachen und dummes Geschwätz verkaufen. Als ich bei diesen Überlegungen ankam, las ich, dass Herr Ramsauer gar nicht gemeint ist. Gute Nacht, Deutschland.
Dr. Manfred Pilgrim, Prenzlauer Berg
Im Angesicht Ihres Titelbildes wurde mir bewusst, warum die Herren dort stehen. Die hatten wenigstens etwas im Kopf!
B. Hofmann, per Mail
Eins steht fest wie das Amen in der Kirche: Über Marx und Engels wird man noch reden, wenn kein Mensch aus der nächsten Generation mehr weiß, wer Ramsauer war.
Helmut Herrmann, Pankow
Hat der Herr Bundesbauminister nichts Wichtigeres zu tun, als sich um solche Marginalien zu kümmern? Mir fällt dabei sofort die Deutsche Bahn ein. Und noch ein genauso unqualifizierter Vorschlag: Wie wäre es, wenn man mal die Bavaria umsetzt?
Gerrit Döring, per Mail
Armer Herr Ramsauer, Großhirn im Eimer und nun noch das Kleinhirn. Aber diese Leute bekommen dafür noch Geld und wir sind es, die zahlen!
W. Ruby, Hellersdorf
Es ist das übliche Bestreben der Politiker, DDR-Vergangenheit auszulöschen. Als Minister sollte man so viel Bildung haben, dass man weiß, wer Marx und Engels waren und dass man solche geistigen Größen nicht einfach entfernt. Aber was kann man schon von so einem Bayern erwarten. Hauptsache, der Alte Fritz steht noch.
Christian Donath, per Mail
Die Forderung von Peter Ramsauer trägt nicht nur humoristische Züge. Denn sie zeigt auch, dass bei vielen Menschen aus der alten Bundesrepublik immer noch der Respekt vor der besonderen ostdeutschen Geschichte fehlt. Weswegen sich der Minister für seinen Vorschlag entschuldigen sollte!
Rasmus Ph. Helt, Hamburg
Nomen est omen: Rammsau(er) will den Osten planieren. Er kommt ja aus dem Siegerland. Schlage vor, das wir ihm die Bavaria in München absägen, diese ist auch ein Relikt politischer Art.
Jürgen Knaack, per Mail
Herr Ramsauer soll sich mal mit der Weltgeschichte beschäftigen. Wenn es ihm in Berlin nicht gefällt, soll er zurück nach Bayern gehen. Wir kommen auch nicht dorthin und fordern, die Kruzifixe überall abzuhängen und in die Kirchen zu verbannen.
Margot Klinkhardt, Blankenfelde
Wir haben in Berlin Marx und Engels. Die sollen auch bleiben. Einen Herrn Ramsauer hingegen, der ihnen nicht das Wasser reichen kann, brauchen wir nicht.
Heinz Schmidt, Weißensee
Über den Minister-Plan ist die Mehrheit der Berliner richtig wütend (siehe Fotogalerie). Bei der KURIER-Abstimmung, an der Hunderte Berliner teilnahmen, sind 85 % gegen Ramsauers Vorschlag, Marx und Engels auf die Gedenkstätte der Sozialisten in Friedrichsfelde zu verbannen.
Ramsauers Plan wird nun im Senat für Zoff sorgen. Obwohl Bausenator Michael Müller (SPD) klar sagte, dass Marx und Engels bleiben, haut Koalitionspartner CDU voll in die Kerbe des CSU-Ministers.
„Die CDU-Fraktion begrüßt den Diskussionsanstoß. Marx und Engels kommen wegen der Aufrufe zur gewaltsamen Veränderung der Gesellschaft kein Ehrenplatz in der Mitte Berlins zu“, sagt unter anderem CDU-Kulturexperte Uwe Lehmann-Brauns, dessen Kanzlei-Kollege Michael Braun wegen dubioser Immobiliengeschichten als Justizsenator zurücktreten musste.

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