Das Todes-Rätsel um Eisbär Knut († 4) lässt die Fans auch zwei Jahre nach seinem tragischen Ende nicht los. Was den Star umbrachte, war stets nur in Bruchstücken bekannt: Eine Hirn-Entzündung hatte Knuts Nervensystem zerstört. Jetzt sorgt eine Studie über mutierte Zebra-Herpes-Viren für Aufruhr: Knuts Vater Lars ist eines der befallenen Tiere!
Noch vor kurzer Zeit hätte Prof. Klaus Osterrieder (FU Berlin) es selbst nicht geglaubt: Viren, die eigentlich nur bei Zebra, Pferd & Co. vorkommen, springen in mehreren Fällen auf Eisbären über – und verrichten dort ihr tödliches Werk. Doch die Studie, an der Osterrieder mitarbeitete, zeigt: Es gibt ein neues Virus, das wie im Kinofilm aus zwei Zebra-Viren entstand. Und: Es kursiert unter deutschen Eisbären.
Die Forschergruppe, zu der auch Prof. Alex Greenwood vom Berliner IZW gehört, konnte jetzt sogar einen Todesfall klar nachweisen: Eisbärin Jerka, die im Wuppertaler Zoo mit Knut-Papa Lars lebte. Ihr Tierarzt Dr. Arne Lawrenz: „Die Symptome waren schockierend.“ Jerka bekam 2010 wie Knut eine Gehirn-Entzündung. Auch dessen Vater Lars erkrankte, überlebte aber.
All das wirft zwei große Fragen auf: Starb auch Knut an diesem mutierten Virus? Wurde er von Vater Lars angesteckt, der selbst lange in der Hauptstadt lebte? Schon früher hatten IZW-Experten vermutet, dass eine Virusinfektion hinter Knuts Hirn-Entzündung steckte (KURIER berichtete). Der Tierschützer Frank Albrecht von „EndZoo“ fand 2011 sogar erste Indizien für einen Befall mit Herpesviren von Pferden. Er sagt: „So etwas gab es einmal im Zoo San Diego, wo eine Eisbärin Symptome wie Muskelzucken und Im-Kreis-Laufen zeigte.“ Das erinnert ihn an Knuts Verhalten vor dem Tod.
Thomas Ziolko (l.) zeigt KURIER-Reporter Norbert Koch-Klaucke den 115 Kilo-Knut von Mecky Ferber.
Foto: LebieAlbrecht fühlt sich jetzt durch die neue Studie in seiner Viren-Theorie bestätigt. Prof. Klaus Osterrieder schränkt allerdings ein: „Wir haben Knut untersucht und das neue, mutierte Virus bei ihm nicht nachweisen können.“ Zwar suche man weiter nach der exakten Todesursache, aber sie werde vielleicht nie gefunden.
Um zu verhindern, dass in Zoos mutierte Viren von Art zu Art hüpfen, fordert Osterrieder eine Untersuchung jedes toten Tiers. Laut Heiner Klös, Berlins Bären-Kurator, wird das im Zoo aber „seit über 50 Jahren gemacht“. Er versichert zudem: „Die beiden Viren, die zu einem Neuen mutierten, gibt es bei uns nicht.“ Unklar ist, wie das neue Virus überhaupt zu Eisbären gelangte.

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