Täglich alle Läden rund um die Uhr offen: Gegen den neuen Vorstoß der rot-schwarzen Koalitionäre zum Sonntagsshoppen im Berliner Hauptbahnhof (KURIER berichtete) plant jetzt die Gewerkschaft den Aufstand.
„Wir werden auf unsere Kollegen, die in der Koalitionsverhandlungen sitzen, Einfluss nehmen, dass dieses Sache wieder runter vom Tisch kommt“, sagt die Ver.di-Handelsexpertin Erika Ritter zum KURIER. Sollte dies nicht gelingen, will Ver.di unter anderem rechtliche Schritte gegen ein mögliches Shoppen an Sonn- und Feiertagen im Hauptbahnhof prüfen.
Zug um Zug zur Weltstadt
Berlins Hauptbahnhof, ich war gestern da. Touristen aus Asien und den USA hetzten da durch. Außer den Flughäfen gibt es keinen anderen Ort in der Stadt, an dem das Publikum so international ist. Berlin brummt doch rund um die Uhr, aber das Shoppen ist an den meisten Sonntagen verboten. Da reiben sich Gäste aus aller Welt verwundert die Augen. Ich auch. Shops sollten nicht schließen müssen, sie sollten öffnen. Besonders im Hauptbahnhof. Zug um Zug käme Berlin so seinem Ziel näher. Nicht nur Hauptstadt, Metropole, endlich Weltstadt! Holger Schacht
Der Sonntag gehört der Familie!
Ich arbeite sonntags. Wie viele Berliner, die in Verlagen, bei der Bahn, BVG, Polizei oder in Kliniken beschäftigt sind – weil das einfach zu unserem Job gehört. Doch müssen das auch die Verkäuferinnen in dieser Stadt? Müssen sie unbedingt auch am Sonntag für unser Wohl (wie bei anderen Berufen) da sein? Wir alle haben doch in der ganzen Woche Zeit, trotz Beruf, bis spätabends shoppen zu gehen. Ehrlich, wenn ich sonntags frei habe, möchte ich diesen Tag mit meiner Familie verbringen und nicht im Supermarkt im Hauptbahnhof eine vergessene Packung Mehl kaufen. Norbert Koch-Klauke
Bisher dürfen dort nur Geschäfte an diesen Tagen öffnen, die Reisebedarf verkaufen. „Dies auszuweiten ist richtig beknackt“, sagt Ritter. „Den Hauptbahnhof für Sonntagsöffnungen zu privilegieren, verzerrt nur den Wettbewerb im Berliner Einzelhandel und sorgt für unnötige Unruhe in der Stadt.“ Laut der Gewerkschaftsfrau sollte die Koalitionsrunde zwischen SPD und CDU sich lieber um die Arbeitsbedingungen der Verkäuferinnen kümmern, die durch Sonntagsöffnungen zusätzlich erschwert werden. Ritter: „Die verkaufsoffenen Sonntage zu bestimmten Anlässen in Berlin haben bisher gezeigt, dass unterm Strich nicht mehr Umsatz gemacht wurde.“
Auch bei den Kirchen brodelt es. Doch ihre Vertreter, die sonst gegen das Sonntagsshoppen in Berlin Sturm laufen und sogar vor Gericht dagegen ankämpfen, geben sich nach außen noch gelassen. „Wir haben uns mit der evangelischen Kirche verständigt, dass wir erst einmal das Ende der Koalitionsverhandlungen abwarten“, sagt Erzbistums-Sprecher Stefan Förner. Auch Sonntagsshopping-Gegner bei der Berliner CDU schweigen. Aus Angst, mit einem Streit zu diesem Thema die rot-schwarze Senats-Ehe zu gefährden, bevor sie geschlossen wurde. NKK

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