Kiez&Stadt
Wir sind Berlin. Direkt aus dem Newsroom des Berliner KURIER immer die wichtigsten Nachrichten aus Berlin und seinen Kiezen und Bezirken.

Sonntag, 8. Juli 2012

Polizei ermittelt gegen NPD-Chef: Schöneweide wehrt sich gegen den braunen Spuk

Von MARCUS BÖTTCHER und HOLGER SCHACHT

Schöneweide –  

Er gilt als Berlins schlimmster Nazi und hat diesen Ruf erneut bestätigt. Gegen Sebastian Schmidtke (27) laufen Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung. Der NPD-Landeschef sprühte im Streit Karl-Heinz B. (54) Pfefferspray ins Gesicht.

Vorher hatte der völlig betrunkene Karl-Heinz B. mit einem Messer gedroht.

Ein Kiez im Bann des braunen Spuks! Passiert ist dieser Vorfall am Sonnabend um 19.05 Uhr in der Brückenstraße. Er zeigt, wie sehr dort die Nerven blank liegen. Kurz zuvor waren 150 Linke (mit teils vermummten schwarzem Block) durch die Straße gezogen, hatten gegen den Nazi-Treffpunkt „Zum Henker“ und gegen Schmidtkes Militaria-Laden „Hexogen“ protestiert. 150 Polizisten sorgten dafür, dass es keine Ausschreitungen gab, obwohl es oft brenzlig wurde.

Nazis fotografierten aus Wohnungen die aufgebrachte Menge, aus der Stinkefinger nach oben gezeigt wurden. Auch Schmidtke (getarnt unter Basecap und schwarzer Maske) knipste vom Balkon. Darum ging es offenbar auch später, als Polizei und Demonstranten schon weg waren.

Mehr dazu

Denn Schmidtke-Nachbar Karl-Heinz B. soll ebenfalls fotografiert haben – und zwar den Ober-Nazi! An der Auseinandersetzung beteiligt war noch ein dritter Mann, von dem die Polizei noch nicht weiß, wer er ist, welche Rolle er gespielt hatte. Beamte stellten bei Durchsuchungen Messer und Pfefferspray sicher, fertigten ebenfalls Videoaufnahmen an.

Seit Jahren gilt die Brückenstraße als „Wohnzimmer“ der rechten Szene. Mittlerweile haben sich hier neun Läden etabliert, in denen Neonazis ein- und ausgehen. Der „Henker“ gilt seit seiner Eröffnung im Februar 2009 als zentraler Szenetreff, Schmidtkes „Hexogen“ existiert seit exakt einem Jahr. An der Tür steht auf einem Aufkleber „German Colours only“ („Nur deutsche Farben“). Weiterhin gehören zum braunen Netz der Brückenstraße fünf weitere Kneipen und Clubs sowie ein Getränkehandel und ein Buchladen. Die Betreiber der genannten Läden haben nach KURIER-Informationen zum Teil langjährige Karrieren in Kameradschaften hinter sich, wurden straffällig und sind politisch aktiv.

Nach Niederschöneweide ziehen sich die Rechtsextremen aber nicht nur zum Biertrinken und Bücherlesen zurück, von hier aus starten und planen sie auch ihre Aktionen. Im Februar trafen sich Neonazis in der Brückenstraße zur gemeinsamen Fahrt zum Aufmarsch in Dresden, im April ging es von hier aus nach Marienfelde.

Das braune Problem grassiert in Schöneweide seit den 90er Jahren. Die Namen „Wiking Jugend, „Berliner Alternative Südost“ und „Frontbann24“ wechselten zwar, doch die Personen blieben die gleichen. Gefährlich und aktiv. Mittlerweile haben sich aber viele Bündnisse formiert, um dem Treiben ein Ende zu machen: Das Jugendbündnis „Bunt statt braun“, das Haus der Jugend Köpenick oder das BdA Köpenick protestieren regelmäßig gegen das Ausbreiten der rechten Szene in Niederschöneweide.

Auch interessant
Weitere Meldungen aus dem Bereich Kiez&Stadt
Tschüss, Berlin! Michelle und Barack Obama stehen in der Tür der Air Force One, winken zum Abschied.
Alles wieder normal

Nach seinem Arbeitsbesuch in Berlin hat US-Präsident Barack Obama die deutsche Hauptstadt am Mittwochabend wieder verlassen. Die US-Regierungsmaschine hob kurz nach 22 Uhr vom Flughafen Tegel ab.  Mehr...

Todschick, so eine Kurzhaarfrisur, Ziggy! Der Pudel-Mischling ließ sich morgens von Herrchen Paul Festa (43) das zentimeterlange Fell abraspeln, ist jetzt hitzefit.
Sommerhitze

Nicht nur Menschen schwitzen bei der Brut-Hitze, auch die Hauptstadt-Hunde leiden! Sie hecheln ohne Ende. Fürsorgliche Frauchen und Herrchen helfen ihnen, die Hitze besser zu verkraften.  Mehr...

Ein Fahrradhelm hilft Leben retten - aber eine Helmpflicht könnte statistisch das Unfallrisiko erhöhen, so das überraschende Ergebnis von Studien.
Fahrradhelm bald Pflicht?

Ein folgenschweres Urteil könnte Folgen für Tausende Radfahrer in Berlin haben: Die Richter geben verunglückten Radlern ohne Helm eine Mitschuld, auch wenn sie den Unfall nicht verursacht haben.  Mehr...

Kiez&Stadt
Jetzt mitmachen! Sommermädchen 2013 wählen!
In Berlin geht's Hund

Angst, Schmutz, aber auch bedingungslose Liebe und Freude. Hunde sind und bleiben ein Streitthema.

Wintergarten-Varieté Open Air - Buchen Sie jetzt!
KURIER-Rechtsexperte Wolfgang Büser beantwortet Ihre Fragen zum Mietärger

KURIER-Rechtsexperte Wolfgang Büser beantwortet Ihre Fragen rund um Wohnung und Miete.

Gigantischer Ausblick auf den Alex.

Verstehen Sie Berlin wirklich? Testen Sie jetzt Ihr Wissen mit 25 klugen Fragen.

Sonderbeilagen & Prospekte
Blaulichtkurier
Mensch Meyer - Die Kolumne von Chin Meyer
KURIER auf Facebook
Blog - Voller Ernst von Gerhard Lehrke
Berliner Jobmarkt
Die freche Berlinerin - Kolumne von Ruth Moschner
Top Stories
Anzeige
Neueste Bildergalerien
Berliner KURIER
Noch mehr Bildung und Allgemeinwissen

Hier geht's zu noch mehr Bildung und Allgemeinwissen.