Eisbär Knut war im März gestorben, doch in den Herzen seine Fans lebt er weiter. Am Montag wäre Knut fünf Jahre alt geworden und Menschen aus aller Welt pilgerten zum Eisbären-Gehege, um ihren Liebling zu feiern und zu gedenken. Die Stimmung schlug jedoch in Wut um. Weil Zoo-Mitarbeiter Blumen, Kränze und Bilder vom Wochenende bereits abgeräumt hatten.
Über 60 Knut-Anhänger, auch welche aus Dänemark, Schweden, Südafrika und Frankreich, waren bereits am Sonnabend in den Zoo zum Eisbärengehege gekommen. „Ihre Blumen, Geschenke, Herzen, selbst die Lilien, die gestern noch am Zaun steckten – alles ist weg!“, empört sich Birgit Born aus Wilhelmshaven.
Mit Knut verbindet die 50-Jährige eine ganz persönliche Geschichte. „2006, als Knut geboren wurde, erkrankte ich an Krebs“, erzählt sie. „Als ich das Eisbär-Baby mit seinem Ziehpapa Dörflein im Fernsehen sah, sagte ich: Knut, wir schaffen das!“ Ein Jahr später habe sie dann von der Krankheit genesen an Knuts Gehege gestanden und ihm zugerufen: „Siehste, wir beide haben’s geschafft!“
Die Knut-Fans haben dem Eisbären eine Karte zum Geburtstag geschrieben. Sie danken ihm für die schönen Erinnerungen, üben aber auch harsche Kritik am Berliner Zoo.
Auch Waltraut M. (66) aus Ludwigshafen, Inge Jondrup (64) aus Kopenhagen und Helga König aus Berlin sind enttäuscht. Damit ihre Geschenke nicht gleich wieder abgeräumt werden, wickeln sie Rosen, Chrysanthemen und den mit fünf Kerzen geschmückten Croissant-Kuchen – Knuts Lieblingsspeise – wieder ein und fahren nach Spandau, wo am Mittag auf dem Friedhof der Knut-Gedenkstein neben dem Grab seines Pflegers Thomas Dörflein († 2008), von dessen Mutter Erika Dörflein offiziell enthüllt wird.
Ein wirklich edler Stein. Weißer Marmor symbolisiert Eisschollen, in die Knut einen Tatzenabdruck hinterlassen hat. Grabstelle und Stein hat Karin Gude-Kohl bezahlt, 4500 Euro ausgegeben. Auch wenn die Geburtstags-Runde weiß, dass Knut nicht neben seinem Ziehvater begraben liegt, haben alle das Gefühl, dass die beiden endlich wieder vereint sind.
Was aber sagen andere Leute zu dem seltsamen Doppelgrab? „Das ist okay, Gefühle anderer Trauernder werden damit nicht verletzt“, sagt Bestatter Axel Andres (51). Friedhofsbesucher Werner Ekkert (73): „Jetzt sind Dörflein und Knut wieder vereint. Das ist gut so.“ Ein Mann von der Friedhofsverwaltung: „Entscheidend ist, dass die Würde des Ortes gewahrt bleibt. Die Dame hat das Grab ja nicht für ein Tier, sondern für sich gepachtet.“ Ähnlich sieht es die Katholische Kirche: „Knut und Thomas Dörflein sind wegen ihrer engen Beziehung und Beliebtheit natürlich ein Sonderfall“, sagt Bistums-Sprecher Stefan Förner.
Und wie entschuldigt der Zoo sein fixes Geschenke-Abräumen? Sprecherin Claudia Bienek: „Das war dem stürmischen Wetter geschuldet. Bilder und Briefe haben wir vorm Regen gerettet, werden sie einbeziehen, wenn nächstes Jahr im Zoo das Knut-Denkmal eingeweiht wird.“
MKL/MOW

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