Sonntag, 21. August 2011
Eva-Maria Hagen

Die Liebe, das Leid und die Stasi


Die Schauspielerin und Sängerin Eva Maria Hagen
Die Schauspielerin und Sängerin Eva Maria Hagen
Foto: dpa
Berlin –  

Es gibt Stimmen, die verteidigen auch jetzt, 50 Jahre später, noch den Mauerbau. „Damit bin ich nicht einverstanden“, sagt Eva-Maria Hagen (76). Im KURIER erinnert sich die große Schauspielerin daran, was die Mauer ihr nahm.

An erster Stelle steht für Eva-Maria Hagen die Liebe. „Die Mauer nahm mir meinen Liebsten, Peter“, sagt sie. Hagen war 26, er gerade einmal 19. Weil seine Familie privilegiert war, durften sie in den Westen reisen. Sie waren wieder einmal dort, als die Mauer hochgezogen wurde. Und Peter sollte nie mehr in sein Heimatland zurückkehren... Eine Geschichte ohne Happy End.

Die Ost-Schau "Alltagsdinge"

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„Er ist früh gestorben“, sagt Hagen. „Ich habe ihn nie mehr wieder gesehen.“ Dokumentiert hat sie die Liebes-Geschichte mit Briefen auf ihrer Homepage.

Eva-Maria Hagen (2.v.l.) mit Wolf Biermann und Tochter Nina Hagen (rechts) beim Musizieren.
Eva-Maria Hagen (2.v.l.) mit Wolf Biermann und Tochter Nina Hagen (rechts) beim Musizieren.
Foto: dpa

Auf der Internetseite (www.eva-maria-hagen.de) finden sich noch mehr Unterlagen aus dem Leben der Hagen. Unter anderem viele Stasi-Protokolle. „Ich habe ja nichts zu verbergen“, sagt Hagen. Als sie sich 1965 in Wolf Biermann verliebte, lernte die bis dahin gefeierte Schauspielerin das wahre Gesicht der Staatsmacht kennen. Sie durfte oft nur noch an Provinztheatern spielen, wurde im Privaten immer extremer von der Stasi überwacht.

Sogar einen Mordanschlag hat es auf Hagen gegeben – ob allerdings die Stasi schuld war, konnte bis heute nicht geklärt werden. Es geschah in Berlin, 5. April 1966. Die Stasi belauschte eine Unterhaltung zwischen Biermann und Hagen. Kurz zuvor hatte die damals 31-jährige junge Mutter Nägel in ihrem Autoreifen gefunden. „Die Nägel wurden so reingeschlagen, dass die Luft nur langsam entweichen konnte“, sagt Hagen. Bei großer Geschwindigkeit wäre sie unheimlich ins Schleudern gekommen.

Der Horch & Guck-Schick

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Eva-Maria Hagen in den 70er Jahren in der DDR
Eva-Maria Hagen in den 70er Jahren in der DDR
Foto: dpa

Die Männer in der Werkstatt erklärten, dass die Nägel von der Innenseite in das Rad geschlagen wurden. Eine besonders perfide Methode. Das Auto lässt sich anfangs problemlos starten und lenken. Während der Fahrt gibt es dann Komplikationen. Ein Baum, ein Hindernis – es wäre der sichere Tod der Eva-Maria Hagen gewesen. Wolf Biermann reagierte mit klaren Worten: „Das sind Mörder!“ Es sollte nicht das einzige Mal sein, dass Hagen um ihr Leben bangen muss. Ein Unbekannter versuchte zum Beispiel, sie auf der Autobahn aus der Spur zu drängen.

Einblick in den DDR-Marine-Bunker

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Als Wolf Biermann 1976 ausgebürgert wurde, folgten Eva-Maria und ihre Tochter Nina Hagen kurze Zeit später in den Westen. Obwohl die beiden Künstler schon längst kein Liebespaar mehr waren. Aber wenigstens diese Geschichte hat ein Happy End: Biermann und Hagen sind auch nach ihrer Trennung Freunde geblieben. Eva-Maria Hagen „Rückblickend kann ich sagen: Das Leben hat mich in die Arme genommen.“ Trotz Liebes-Leid und Stasi-Überwachung.

Die große KURIER-Serie: 50 Jahre Mauerbau

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