Sonntag, 29. Mai 2011
Singende Abfalltonnen

Diese Idee war Müll, Frau Senatorin!


Aus Parkanlagen werden Müllhalden
Berlin –  

Die Idee hörte sich ja gleich ziemlich absurd an: Mit singenden Mülleimern wollte Senatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) Park-Besucher zu mehr Sauberkeit erziehen. Doch das „Park Sound Project“ musste jetzt vorzeitig beendet werden. Rowdys hatten mehrere Musikbox-Tonnen zerstört, eine geklaut. Der Kuschel-Kurs gegen die Müll-Ferkel ist wohl gescheitert ...

Arbeiter bauen die traurigen Überreste der insgesamt sieben grünen Tonnen ab, rollen sie auf Karren davon. Eigentlich hätte die Musik-Aktion in Görlitzer Park und Mauerpark vom 11. Mai bis zum 11. Juli dauern sollen (KURIER berichtete).

Sieht es überall so aus wie bei uns?

Köln

Foto: dpa

Die Stadt greift mit einem neuen Knöllchen-Katalog gegen Park-Ferkel durch. Benutzen eines Einweg-Grills: bis zu 300 Euro, Wildpinkeln: 100 Euro. Hintergrund: Die Müllabfuhr musste 2010 jeden Sonntag der Grill-Saison 10.000 Kilo Müll aus den Parks karren. Das war nur der Abfall, der neben den Mülleimern lag. Kosten: 600 000 Euro.

Doch offenbar wollten sich nur wenige Besucher für eingeworfenen Müll ein Lied trällern lassen. Abgespielt wurden Songs von Berliner Discount-Bands wie „Billy Rückwärts,“ „Die Fraktion“ oder auch „Kreuz Ost“. Aber die Müllberge wuchsen dennoch weiter – und die Randalierer schlugen zu.

„Wir hatten vertraglich vereinbart, die Aktion abzubrechen, wenn mehr als eine Tonne stark beschädigt wird“, sagt Mathias Gille (46), Sprecher der Senatorin für Stadtentwicklung. Es gebe keine weiteren Pläne für ähnliche Projekte. Dafür sollte der Senat mal einen Blick in Städte wie Köln werfen: Dort sieht ein neuer Strafkatalog hohe Bußgelder für Park-Ferkel vor. Benutzen eines Einweg-Grills: bis zu 300 Euro, Wildpinkeln 100 Euro.

Saustall Rochstraße

Bildergalerie ( 26 Bilder )

Senatorin Junge-Reyer will dagegen auf Straf-Beträge verzichten: Die Ordnungsämter hätten kein Geld, um sonntags Park-Patrouillen zu entsenden. Und man wisse ja oft gar nicht, wer den Party-Müll in den Wochenend-Nächten zuvor hinterlassen hat.

Mit Musik-Eimern will sich Peter Beckers (SPD), Ordnungsamts-Stadtrat in Friedrichshain-Kreuzberg, trotzdem nicht begnügen. Er fordert: „Wir brauchen keine singenden Tonnen, sondern große Tonnen!“ Beckers schlägt Niederflurbehälter mit 600 Litern Fassungsvermögen vor, wie sie an der Admiralbrücke stehen. Ihr schmaler Einwurf-Spalt verhindere, dass Krähen an Müll gelangen und ihn verteilen.

MOW, ROG

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