Wirbel um das zunehmende Kiezdeutsch unserer Jugendlichen. Experten laufen Sturm gegen die Verschandelung unserer Sprache.
„Ich bin Kotti. Lassma hier aussteigen.“ Sprachforscherin Heike Wiese (45) spricht in ihrem Buch „Kiezdeutsch“ von einem „neuen und kreativen Dialekt“ und einer „Bereicherung für unsere Sprache“ (KURIER berichtete). Der Verein Deutsche Sprache sieht dies völlig anders. Geschäftsführer Holger Klatte: „Kiezsprache ist ein Warnzeichen dafür, dass in bestimmten Regionen und Ballungsräumen wie Berlin die Sprachentwicklung vernachlässigt worden ist. Zuwanderer sowie Kinder und Jugendliche aus sozial schwachen Schichten sind nicht ausreichend gefördert worden.“
„Machst du rote Ampel“ ist eine Feststellung und bedeutet etwa „Du gehst bei Rot über die Ampel“. Das Wort „machen“ bekommt eine ganze andere Bedeutung wie auch beim oft belächelten Ausspruch „Ich mach dich Messer!“
„Danach ich geh' Schule“: Zeitangaben rutschen im „Kiezdeutsch“ oft an den Anfang des Satzes und die Artikel fallen weg.
„Abu“ fließt häufig als Beleidigung ein, stammt aus dem Arabischen und bedeutet dort „Vater“.
„Lan“ stammt aus dem Türkischen und wird bei Verwunderung im Sinne von „Mann!“ oder „Alter“ verwendet.
„Yallah“ ist auch von deutschstämmigen Jugendlichen oft auf der Straße zu hören - es bedeutet so viel „Auf geht's!“ und stammt aus dem Arabischen.
Quelle: Heike Wiese: Kiezdeutsch. Ein neuer Dialekt entsteht, Verlag C. H. Beck, München; ab sofort lieferbar, 12,95 Euro
Klatte fordert daher mehr Anstrengungen aufseiten der Politik: „Wir haben nichts gegen das Erlernen der Muttersprache bei Migranten-Kindern. Aber diese müssen bereits in der Kita auch die deutsche Sprache beherrschen. Wir brauchen dort Fachleute, die sich mit Sprachvermittlung auskennen, auch wenn dies mehr Geld kostet.“
Auch die Vorsitzende des Landes-Schülerausschusses, Beatrice Knörich, kann sich mit dem Stummeldeutsch in unserer Stadt nicht anfreunden: „Das klingt voll daneben. Ich finde es äußerst bedenklich, dass auch deutsche Jugendliche mittlerweile so sprechen.“

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