Freitag, 20. Januar 2012
BND-Saustelle

Berlins teuerstes Millionengrab

Von Christian Wiermer

Die neue BND-Zentrale auf dem Gelände des ehemaligen „Stadion der Weltjugend“ in Mitte: Erst 2014 werden dort die Spione einziehen, sie sollten eigentlich schon seit 2008 im Berlin sitzen.
Die neue BND-Zentrale auf dem Gelände des ehemaligen „Stadion der Weltjugend“ in Mitte: Erst 2014 werden dort die Spione einziehen, sie sollten eigentlich schon seit 2008 im Berlin sitzen.
Foto: Sabeth Stickforth
Berlin –  

5300 Arbeiter verbauen 135 000 Kubikmeter Beton und zimmern 2800 Diensträume auf einer Fläche von zehn Hektar. Die Chausseestraße in Mitte: Hier entsteht die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes (BND). Es ist Deutschlands geheimste Baustelle – und das größte Millionengrab der Hauptstadt.

Wird die neue BND-Zentrale zum Milliardengrab?

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Wieder später, wieder teurer: Der Umzug des Geheimdienstes von Pullach nach Berlin ist ein Skandal, bevor er überhaupt stattgefunden hat. Denn eigentlich sollten die Agenten schon seit 2008 hier sitzen. Und eigentlich sollte das Mega-Projekt „nur“ 500 Millionen Euro kosten. So der Plan vor zehn Jahren. Die Fakten heute: „Beginn“ des Umzuges frühestens Ende 2014, Gesamtkosten mindestens 1,3 Milliarden Euro, wahrscheinlich noch deutlich mehr.

Das geht aus der dem KURIER vorliegenden Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Jan Korte (Linke) hervor. „Die Kostensteigerungen beruhen sicherlich nicht auf einem Tippfehler bei der Berechnung“, sagt der Innenexperte. „Das ist schlichtweg eine Täuschung der Öffentlichkeit.“

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Allein für den Bau werden nun 843 Millionen veranschlagt – plus Kosten für den Ersatz einer verpfuschten Lüftungsanlage. Auch zu dem Gesamtumzugskosten von 1,3 Milliarden Euro kommt noch ein satter Millionen-Betrag für den Rückbau der alten Zentrale hinzu. Der Chef des Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), geht sogar von einer Gesamtrechnung von bis zu zwei Milliarden Euro aus.

Auch wenn Regierungssprecher Steffen Seibert diese Schätzung für „stark überzogen“ hält – der BND-Umzug ist begleitet durch eine Reihe von Skandalen, zuletzt verschwanden sogar Baupläne. „Auf der einen Seite werden Millionen dafür ausgegeben, die BND-Baustelle zur Festung auszubauen und zu bewachen, auf der anderen Seite dürfen die Baupläne einfach mit nach Hause genommen werden.

Das passt nicht wirklich zusammen“, sagt Jan Korte. Und: „Noch nicht einmal die Schwarzarbeit hat man auf der am besten bewachten Baustelle der Bundesrepublik im Griff.“ Denn seit 2009, so die Bundesregierung, habe das Hauptzollamt Berlin zehn Kontrollen durchgeführt. „Dabei wurden 741 Arbeitnehmer geprüft. Es wurden vier Straf- und zwei Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.“ Innenexperte Korte: „Dabei waren die Schwarzarbeiter ja angeblich sicherheitsüberprüft.“

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