Kiez&Stadt
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Freitag, 3. August 2012

Friedrichshagen gegen Gosen: Bei den BER-Flugrouten hört die Freundschaft auf

Von MARION KLEMP

Einst vereint, jetzt verzankt: Fluglärmgegner aus Gosen...
Einst vereint, jetzt verzankt: Fluglärmgegner aus Gosen...
Foto: Bernd Friedel
Friedrichshagen/Gosen –  

Es wird weiter gezankt. Dabei war das Urteil von Deutschlands höchstem Verwaltungsgericht klar, es hat die Rechtmäßigkeit der Flugrouten am Hauptstadt-Airport festgestellt. Aber das Hickhack um die Müggelsee-Route macht Freunde zu Gegnern, der Riss zwischen ihnen ist kaum zu kitten. Friedrichshagener haben jetzt Klage eingereicht, um die Route vom Müggelsee ins acht Kilometer entfernte Gosen zu verschieben. Doch die Menschen dort halten dagegen.

Vor nicht mal drei Wochen saßen die Parteien noch vereint im Bündnis Südost, um an einer gemeinsamen Flughafen-Strategie zu feilen. „Von Klage fiel da kein Wort“, sagt André Organiska aus Gosen. Drei Tage später reichten die Naturfreunde Berlin, unterstützt von der Friedrichshagener Bürgerinitiative (FBI), eine über 200 Seiten lange Klageschrift gegen die Müggelsee-Route beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg ein – die Gosener fühlen sich übel hintergangen.

...und hier aus Friedrichshagen. Die sollen die Gosener geleimt haben.
...und hier aus Friedrichshagen. Die sollen die Gosener geleimt haben.
Foto: dpa

Und so argumentiert die FBI: „Die Müggelsee-Region wurde nicht auf Umweltverträglichkeit geprüft“, sagt Ute Porth (51). So führe die Route über Gebiete hinweg, die geschützt sind. Damit werde nicht nur deutsches, sondern auch europäisches Recht verletzt. Auch fürchte man um den Trinkwasserschutz.

Zweites Argument: Die Route widerspräche dem Ziel, mit dem der Flughafenbau gerechtfertigt wurde, nämlich Berlin von Lärm zu entlasten. Stattdessen würden nun etwa 854 700 Berliner in den Ostbezirken neu belastet.

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Diese Zahl bringt die Gosener auf die Palme. „Sogar Gebiete wie Hellersdorf wurden dazugezählt. Dabei haben die Flugzeuge hier schon Höhen erreicht, die lärmtechnisch nicht mehr relevant sind“, wettert Organiska. „Was die Friedrichshagener immer unter den Tisch kehren: Der Müggelsee wird lediglich bei Ostwind, also an etwa 120 Tagen im Jahr, überflogen. Anflüge finden hier gar nicht statt.

Dagegen hat die Region Gosen an 240 Tagen schon die Landeanflüge zu verkraften. Und nun wollen die Friedrichshagener uns auch noch die Starts unterjubeln!“ Auch in Sachen Umwelt versuchen die Gosener die Friedrichshagener zu zerpflücken: „Naturschutz ist rund um Gosen viel relevanter. Auch hier gibt es Gebiete nach EU-Vogelschutzrichtlinie. Und hier fließt die Müggelspree durch, die den Müggelsee mit Wasser speist.“

Die Verlegung der Müggelsee-Route lehnen die Gosener strikt ab. Die Friedrichshagener hoffen auf Erfolg vor Gericht. Über Monate werden sich die Nachbarn wohl nicht mehr grün sein, denn die Verhandlung findet frühestens nächstes Jahr statt.

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