Montag, 11. Juli 2011
Mittelalterliches Berlin

Altes Rathaus stoppt neue U-Bahn


Für Archäologen eine Sensation: die gut erhaltenen Mauern und Gewölbe des früheren Berliner Rathauses.
Für Archäologen eine Sensation: die gut erhaltenen Mauern und Gewölbe des früheren Berliner Rathauses.
Foto: Lebie
Mitte –  

Verspätung auf der ganzen Linie: Die U5 zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor wird wohl erst 2019 fertig – zwei Jahre später als geplant. Die Strecke führt mitten durchs mittelalterliche Berlin. Dort haben Archäologen Überreste des alten Rathauses gefunden.

Für den Bahnhof Rotes Rathaus hat die BVG deshalb ihre Planungen bereits geändert. Geschichts-freunden reicht das nicht. Der Fund der Archäologen im Bereich des künftigen U-Bahnhofs Rotes Rathaus war eine Sensation: gotische Gewölbe und Säulen von vier Gebäudeschiffen des alten Berliner Rathauses stehen rund vier Meter tief in der Erde. Die Tuchhalle und auch ein alter Brunnen aus dem 13. Jahrhundert sind erhalten.

Die ersten Teile des alten Rathauses stammen aus dem Mittelalter. Die letzten Reste wurden 1871 abgerissen.
Die ersten Teile des alten Rathauses stammen aus dem Mittelalter. Die letzten Reste wurden 1871 abgerissen.
Foto: zVg

Landesarchäologe Matthias Wemhoff: „Von den alten Gebäudeteilen soll möglichst viel erhalten bleiben.“ Ein Großteil sei bereits gesichert, auch weil die BVG ihre Planungen für den U-Bahnhof verändert hat. BVG-Sprecherin Petra Reetz: „Wir verzichten auf den Südwestzugang zum Bahnhof.“ Dadurch können zwei der vier alten Gebäudeschiffe komplett erhalten werden.

Auch das Dritte soll nach den Plänen von Wemhoff geschützt werden: „Dafür müssten Nebenräume des Bahnhofs verlegt werden. Darüber verhandeln wir derzeit. Außerdem überlegen wir, ob einige Mauern für die Zeit der Bauarbeiten abgebaut und anschließend wieder an ihren alten Standort zurückgesetzt werden können.“

Der Wunsch von Archäologen: Die Grundmauern des früheren Rathauses sollen sichtbar bleiben.
Der Wunsch von Archäologen: Die Grundmauern des früheren Rathauses sollen sichtbar bleiben.
Foto: zVg

Dem Bürgerforum Historische Mitte reicht das aber nicht. Sie wollen den U-Bahnbau stoppen, bis der gesamte Rathauskomplex „ergraben und öffentlich zugänglich gemacht wurde.“ Landesarchäologe Wemhoff plant dagegen eine langfristige historische Ausstellung. Besucher sollen über den Keller des Roten Rathauses Zugang zu den alten später wieder unterirdischen Gewölben insbesondere das Tuchhaus erhalten.

Auch über Sichtscheiben vom künftigen U-Bahnhof zu den alten Gemäuern wird noch nachgedacht. Erstmal haben die Archäologen aber bis Ende 2011 Zeit für weitere Grabungen. Die BVG hat auch den Ablauf der Bauarbeiten geändert. Reetz: „Frühestens 2013 wird mit dem Bau des U-Bahnhofs Rotes Rathaus begonnen.“ Ursprünglich war er als erstes gesetzt.

Begonnen wird jetzt mit dem Tunnel und den U-Bahnhöfen Unter den Linden und Museumsinsel. So soll der Zeitplan bis spätestens 2020 eingehalten werden. Gelingt das nicht, müsste Berlin eine dreistellige Millionensumme an den Bund zurück zahlen. Gefahr droht vom geplanten U-Bahnhof Museumsinsel. Auch hier könnten noch historische Funde im Erdreich Archäologen und BVG überraschen. FRA

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