Hoch oben über der Oranien-, Ecke Adalbertstraße, zeigt sich ein Street Yogi in Tadasana-Position.
Ein flüchtiger Blick aufs Straßenschild. Dann ein zweiter: Hoppla! Was ist denn das da oben? Eine Kastanienfigur? Nein, ein Korkmännchen! Die wenigen Zentimeter großen Figuren nehmen Berlin ein – und es werden immer mehr.
Fünf bis zehn Zentimeter sind die „Street Yogis“ groß. Körper, Kopf, Hände und Füße sind aus Weinkorken gefertigt, Schaschlikspieße bilden Arme und Beine. Und sogar ein freundlich lächelndes Gesicht wurde ihnen verpasst. Als Josef Foos (55) einen Artikel über den Künstler Slinkachu und dessen Straßenkunstprojekt „Little People“ las, kam er auf die Idee: „Die kleinen Menschenfiguren von Slinkachu haben mich fasziniert – ich wollte auch so etwas machen. Da ich Yoga-Lehrer bin, habe ich angefangen Korkfiguren zu basteln, die Yoga machen“, erzählt der Neuköllner.
Seit etwa zwei Jahren praktizieren die Figuren ihre Übungen über unseren Köpfen. Inzwischen wuchs die Korkmännchen-Population auf 350 an. Der Verbreitungs-Schwerpunkt liegt in Schöneberg und Neukölln. „Ich versuche das Gebiet aber zu vergrößern.“ Das Ordnungsamt toleriert die Aktion bisher. Um die hohen Schilder zu erreichen, benutzt Foos keine Leiter: „Ich klettere vom Fahrradsattel aus hoch.“
Wenn die Schilder zu niedrig sind, verschwinden die „Yogis“ zu schnell. Sammler haben bereits gefallen an den niedlichen Figuren gefunden.
„Viele sehen die Figuren auch gar nicht.“ Man muss schon einen Grund haben, nach oben zu gucken. „Die Leute sollen sich freuen – das ist mein Ziel.“ LEH

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