Samstag, 18. Februar 2012
Verleihung

Die Gala-Nacht der Bären-Gewinner


Der Kreuzberger Christian Petzold im Glück: Endlich bekam er seinen ersten Berlinale-Bären!
Der Kreuzberger Christian Petzold im Glück: Endlich bekam er seinen ersten Berlinale-Bären!
Foto: dapd
Berlin –  

Ein krasser Außenseiter hat gestern den Goldenen Bären als bester Film bei der 62. Berlinale gewonnen: „Cesare deve morire“ (Cäsar muss sterben) von Paolo und Vittorio Taviani. Auch wenn sie so aussehen: Die Brüder sind keine Zwillinge. Vittorio ist 82 Jahre, Paolo „erst“ 80. Nur 76 Minuten ist ihr Film lang – und bei den Kritikern kam er gar nicht gut an.

Worum geht’s? Am Ende von Shakespeares „Julius Cäsar“ werden die Darsteller mit stürmischem Applaus belohnt. Das Licht verlöscht, die Akteure verlassen die Bühne – und kehren zurück in ihre Zellen: Es sind Häftlinge, die im Hochsicherheitstrakt der römischen Strafanstalt Rebibbia einsitzen. Eine wahre Begebenheit. Sechs Monate haben die Gebrüder Taviani den Entstehungsprozess der Kunst im Knast beobachtet. Und da setzt die Kritik am Film an.

Goldener Bär - Promis auf dem roten Teppich

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Man sei „voyeuristisch mit den lebenslang inhaftierten Männern umgegangen“, fand Film-Kritikerin Katja Nicodemus. Außerdem ist der Film visuell enttäuschend: schwarz-weiß. Ein Drittel der Gäste, rund 500 Leute, haben den Saal nach der Gala noch vor Filmbeginn verlassen. Viele hätten lieber das DDR-Drama „Barbara“ von Christian Petzold (51) als Goldenen-Bären-Preisträger gesehen.

Immerhin: Petzold sahnte den Silbernen Bären für die beste Regie ab – und er verriet, woher er, als Wessi, denn so genau weiß, wie es in der DDR zuging. „Meine Eltern sind 1959 aus der DDR geflohen. Wir verbrachten dort immer die Sommer-Ferien.“

Das sind die Preisträger

Goldener Bär für den besten Film

„Cesare deve morire“ (Italien) von Paolo Taviani und Vittorio Taviani

Rachel Mwanza aus dem Kongo ist erst 14 Jahre alt und Laien-Darstellerin. Trotzdem bekam sie den Silbernen Bären als beste Hauptdarstellerin! In „Rebelle“ mimt sie ein Mädchen namens Komona. Ihre Eltern werden im Bürgerkrieg ermordet und Komona muss als Kindersoldatin in den Urwald ziehen. Rachel selbst hat eine ähnlich traurige Lebensgeschichte. „Meine Eltern haben mich und meine fünf Geschwister verlassen“, erzählte sie. Danach lebte Rachel abwechselnd bei einer Freundin, im Heim und bei ihrer Großmutter. Das Geld, das Rachel Mwanza für den Dreh bekam, steckte ihre Oma sich in die eigene Tasche, statt Rachel, wie vereinbart, zur Schule zu schicken. Erst als das Filmteam nachhakte, konnte Rachel Lesen lernen.

Goldener Bär - die Gewinner

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Zum Berlinale-Abschluss gibt es auch Lustiges zu berichten. Neben Anke Engelkes Moderation der Gala („mein Ex-Freund Jake Gyllenhaal ...“) war das der Auftritt von Miguel Gomes. Er bekam für „Tabu“ den Alfred-Bauer-Preis verliehen. Damit werden eigentlich Menschen ausgezeichnet, die neue Perspektiven des Filmemachens aufweisen. Gomes aber erklärte: „Ich habe eigentlich einen ziemlich altmodischen Film gemacht. Er ist schließlich schwarz-weiß!“ Da hat er ja was mit dem Goldenen-Bären-Preisträger gemeinsam. Vielleicht ist Schwarz-Weiß ja das neue 3D...

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