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Internethetze: Die Kopfgeldliste der irren „Reichsbürger“

Auf der Internetseite des obskuren "Gerichtshof für Menschen" wurden mehrere Dutzend Steckbreife veröffentlicht.

Auf der Internetseite des obskuren "Gerichtshof für Menschen" wurden mehrere Dutzend Steckbreife veröffentlicht.

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zVg

Berlin -

Von wegen „nur“ Spinner! Ihre Heimat ist das „Deutsche Reich“ in den Grenzen von 1937, die Bundesrepublik existiert für sie nicht. Sogenannte „Reichsbürger“ verweigern offizielle Dokumente, zahlen keine Steuern. Gefährlich ist die rechte Sekte trotz kruder Ideologie laut Verfassungsschützern trotzdem. Jetzt machen sie Jagd auf Berliner – im Internet ist eine Kopfgeldliste aufgetaucht.

Eine Demo im Herbst vor dem Reichstag. Zahlreiche Reichsbürger wollen einen „Gottesdienst“ abhalten. Weil sich die Veranstaltung im Sicherheitsbereich befindet, greift die Berliner Polizei ein, es kommt zu hitzigen Diskussionen.

Jetzt veröffentlichten Reichsbürger auf der Seite „Gerichtshof der Menschen“ mehr als zwei Dutzend Fotos von Polizisten, die an der Aktion beteiligt waren. Die Überschrift lautet „Polizeifiguren Berlin – gewerbsmäßige Bandenkriminalität“. Die rechten Spinner veröffentlichten Dienstgrade und Namen der Beamten, zum Teil Staffelzugehörigkeit und Ausweisnummern.

Auch die Namen von Stadtverwaltungsmit-arbeitern und Gerichtsangestellten, die im Nachgang mit der Demo beschäftigt waren, sind für jedermann nachlesbar. Zum Teil sogar mit Geburtsdaten. Darunter der auffordernde Satz: „Wer kennt diese Polizeifiguren und kann Angaben zu den Personen machen, die den Gottesdienst mit Waffengewalt gestört und geistig-lebendige Menschen gegen das Polizeigesetz mit Gewalt verletzt haben.“

Auf der Steckbriefliste stehen Richter, Bürgermeister, Zollbeamte, Journalisten und Unternehmer aus ganz Deutschland. Jeder, der den Reichsbürgern irgendwann einmal in die Quere kam, wird denunziert. Auf einen Neuköllner Anwalt, der sich auf KURIER-Nachfrage nicht äußern wollte, wurde gar ein Kopfgeld ausgesetzt. Die Belohnung für Informationen: 100 Euro.

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