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Frost-Nacht der Tränen: Eisiger Tod am Kurfürstendamm

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An dieser Stelle am Kurfürstendamm erfror der Berliner (50) aus dem Obdachlosenmilieu. 

Foto:

Eric Richard

Berlin -

Er lag zusammengerollt auf dem Gehweg am Kudamm. Nacht für Nacht, nur bedeckt von einem dünnen Schlafsack, während um ihn herum die Schönen und Reichen dieser Stadt das Leben auf Berlins Flaniermeile genossen. Die Nacht zu Sonnabend überlebte der Berliner (50) nicht – vermutlich erfror der Obdachlose.

Samstagfrüh gehen mehrere Passanten an dem zusammenkauerten Mann vorbei, der an der Ecke Kurfürstendamm/ Joachimsthaler liegt. Zunächst fällt keiner Menschenseele auf, dass sich unter dem Schlafsack niemand regt, der Mann nicht mehr atmet. Erst gegen sieben Uhr morgens sieht ein beherzter Passant schließlich nach, ob er dem 50-Jährigen vielleicht helfen kann. Als er merkt, dass der Körper des Mannes viel zu kalt ist, alarmiert er sofort Polizei und Feuerwehr.

Nur wenig später sind die Retter vor Ort. Doch sie können dem 50-Jährigen nicht mehr helfen, nur noch den Tod des Mannes feststellen. Da die Polizei ein Fremdverschulden ausschließt, wird davon ausgegangen, dass der Mann bei Temperaturen von bis zu minus drei Grad schlichtweg erfroren ist. Damit wäre er der erste Kältetote des Jahres. In den nächsten Tagen soll eine Obduktion bei der Gerichtsmedizin Gewissheit bringen.

„Der arme Kerl hat hier seit Monaten geschlafen und war immer recht freundlich“, sagt der Besitzer eines nahe gelegenen Kiosks. „An ihm sind bestimmt hunderte Menschen vorbeigelaufen, ohne sich für seinen Zustand zu interessieren. Das hat kein Mensch verdient“, so eine Sprecherin der Berliner Obdachlosenhilfe. Ihr eindringlicher Appell: „Bitte seid nicht so und helft! Ihr könntet Leben retten!“

Denn in den kommenden Tagen wird es nachts deutlich kälter, bis zu minus sechs Grad erwarten die Meteorologen. Für die meisten Berliner sind solche Temperaturen nur unangenehm – für die Obdachlosen sind sie lebensgefährlich ...