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Feuer-Inferno: Die Öko-Dämmung war erst 3 Monate dran

Das Feuer hatte sofort auf die Hausfassade übergegriffen

Das Feuer hatte sofort auf die Hausfassade übergegriffen

Foto:

ABIX

Berlin -

Ein Flammenmeer greift von Müllcontainern auf ein Wohnhaus über. Innerhalb weniger Sekunden brennt die Fassade in der Köpenicker Landstraße wie ein Strohfeuer. Die gerade eingebaute Wärmedämmung wird zur Feuerfalle für die Bewohner. Was zum Schutz und Energiesparen gedacht und seit Jahren gefördert wird, birgt für Tausende Häuser in Berlin eine große Gefahr. Styropor.

Es war ein relativ kleiner Brand, der offenbar von Brandstiftern vor dem viergeschossigen Haus an der Köpenicker Landstraße aus drei Müllcontainern gelegt wurde. Doch als das Feuer auf die Fassade übergriff, meterhoch in den Himmel schlug, standen plötzlich 20 Quadratmeter in Flammen. Zum Glück war die Feuerwehr innerhalb weniger Minuten am Einsatzort.

Alle Bewohner, die auf die Straße flohen, blieben unverletzt. Dabei wurde der Wohnblock erst vor drei Monaten saniert, die Wärmedämmung erneuert. Bei rund 80 Prozent aller Modernisierungen in Deutschland wird das Material Expandierter Polystyrol (EPS) verbaut – besser bekannt als Styropor. Ein gängiges Dämmmittel, das laut neuer Studien aber unkontrollierbar abbrennen kann.

Jugendliche in Delmenhorst dachten an einen Streich, als sie im Juni 2011 Müllcontainer ansteckten. Doch mit hoher Geschwindigkeit griffen die Flammen auf fünf benachbarte Häuser über. 50 Wohnungen wurden schwerbeschädigt. Zwar verkauft die Branche EPS als „schwer entflammbar“. Aber: Seit es in den letzten Jahren in über 60 Fällen zu teils schweren Bränden an gedämmten Fassaden kam, sind die Experten skeptisch, wie der Spiegel berichtet.

Also ist die Angst rund um Brandhäuser wie das in der Köpenicker Landstraße nicht unbegründet. Marianne Riedel (78), die seit 57 Jahren in dem Haus wohnt, sagt zum KURIER: „Sanieren ist schön, aber ich würde mich mit einer Wärmedämmung, die nicht so leicht brennt, sicherer fühlen.“
Eine Mitte November vorgestellte Untersuchung der Bauminister unterstreicht dies. Dabei hatten Experten an einer 60 Quadratmeter großen Fassade mit Styropor-Platten ein Feuer an einer davor stehenden Holzkrippe entfacht. „15 Minuten nach Entzünden der Brandquelle hatte sich der Brand zum Vollbrand entwickelt und über die gesamte Wandfläche ... ausgebreitet“, heißt es im Abschlussbericht.

Kritiker gehen demnach davon aus, dass Fassadenplatten aus Styropor gefährlicher sind, als die Industrie in ihren Wärmedämmkampagnen behauptet. Jetzt wird jetzt ein Merkblatt entwickelt, „das Maßnahmen im Falle von nah am Gebäude vorhandenen größeren Brandlasten aufzeigen soll“. Heißt: Mülltonnen dürfen zukünftig nicht mehr in direkter Nähe zur Hausfassade stehen.



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