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Er fühlte sich von Frauen bedroht: Das wirre Leben des Kotti-Messerstechers

Ein Polizist sichert das blutige Messer, mit dem Tarik A. zugestochen hatte.

Ein Polizist sichert das blutige Messer, mit dem Tarik A. zugestochen hatte.

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ABIX

Berlin -

Er nennt sich selbst „Gottes und Teufels Sohn“. Was folgte, war ein innerer Kampf. Von Drogen getrieben, nahm das Böse immer mehr Besitz von ihm – bis Tarik A. (27) plötzlich durch Kreuzberg schlich und wahllos auf junge Frauen einstach, weil er sich von ihnen bedroht fühlte.

Der Messerstecher vom Kotti hatte am Sonnabendmittag in wenigen Minuten drei Frauen attackiert, zwei davon ins Bein gestochen. Eine Frau mit Baby auf dem Arm konnte der Klinge gerade noch ausweichen. Am Dienstag rammte er sein Messer einer 21-Jährigen in den Oberschenkel. Festnehme! (KURIER berichtete). Sein Motiv: Nach KURIER-Informationen hätte Tarik A. ausgesagt, dass die Frauen ihn töten wollten, weil sie ihn ihm einen Terroristen vermuteten. Es waren Stimmen in seinem Kopf.

Der ungepflegt wirkende Tarik A., der noch bei seiner Mutter in Neukölln wohnt, war nicht immer so unheimlich. Doch die Perspektivlosigkeit und Langeweile nagten an ihm. Der 27-Jährige hat keine Ausbildung, keine Arbeit. Stattdessen gibt er auf Facebook an, bei Al-Qaida beschäftigt zu sein. Er macht sich wichtig. Neue Freunde bringen ihn zum Kiffen. Der steigende Konsum von Cannabis wird ihm schließlich zum Verhängnis!

Er redet plötzlich wirres Zeug, schreibt auf Facebook Texte, die keinen Sinn ergeben. Die Polizei wird auf ihn aufmerksam. Wegen Missbrauchs von Betäubungsmitteln war er bereits zu einer Jugendstrafe verurteilt worden. Tarik A. ist zudem wegen Nötigung, Betruges und Körperverletzung polizeibekannt. Vor zwei Monaten begeht er an einer Tankstelle eine Messerattacke. Ein Mann kann Tarik A. bei dem Angriff stoppen.

Daraufhin kommt der 27-Jährige in eine Entzugsklinik. Die Therapie bricht er allerdings nach einer Woche wieder ab.

Seine Mutter sagt: „Er ist ein ganz normaler Junge.“ Das sieht die Staatsanwaltschaft anders. „Es gibt Hinweise auf eine psychische Erkrankung, woraufhin der Tatverdächtige vorläufig eingewiesen wird“, sagt Staatsanwaltssprecher Martin Steltner. Tarik hat die Tat von Dienstag gestanden.

Für Sonnabend gibt ihm die Mutter ein Alibi: „Er war den ganzen Tag Zuhause bei mir“. Merkwürdig: Eines der Opfer hatte Tarik A. bereits wiedererkannt.