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Berliner-Kurier.de | Unterhalts-Prozess in Berlin: Lesben-Pärchen verklagt Samenspender
04. May 2012
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Unterhalts-Prozess in Berlin: Lesben-Pärchen verklagt Samenspender

Zwei Frauen und ein Kind, gezeugt per Samenspende. Doch auch in solchen Fällen bestehen eventuell Unterhaltsansprüche.

Zwei Frauen und ein Kind, gezeugt per Samenspende. Doch auch in solchen Fällen bestehen eventuell Unterhaltsansprüche.

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Berlin -

Er dachte, er habe keine Verpflichtungen. Jetzt soll er aber doch kräftig zahlen: Ein Berliner, der einem Lesben-Pärchen Samen spendete, wird auf Unterhalt verklagt!

Ein Fall, wie er immer öfter vor deutschen Gerichten geklärt werden muss. Rechtsanwalt Holger Eberlein aus Wilmersdorf hat sich auf das Recht der Reproduktionstechnik (künstliche Befruchtung) spezialisiert. Er schätzt: „Etwa 1000 Kinder werden jährlich schon in Deutschland mit Hilfe einer Samenspende gezeugt.“

Wie bei den zwei Berliner Frauen: Als ihr Glück noch groß war, wünschten sie sich mit Mitte 20 ein Kind. Per Anzeige suchten sie einen Samenspender. Ein Mann, heute Ende 40, fand sich, lieferte das Gewünschte ganz unromantisch einfach im Becher. Die Befruchtung geschah ohne seine Gegenwart, der Verzicht auf Unterhalt wurde vertraglich geregelt. Jetzt aber zerbrach die Beziehung der Frauen. Die biologische Mutter des kleinen Mädchens (3) fordert Unterhalt vom biologischen Vater.

Der will nicht zahlen, ist enttäuscht und verbittert. Rechtsanwalt Eberlein vertritt die Mutter, sieht gute Erfolgschancen: „Weder Kind noch Mutter können auf Unterhaltsrechte verzichten.“ Was Berliner Richter nun klären müssen, könnte bald Tausenden Männern bevorstehen.

Besonders bei homosexuell orientierten Wunsch-Eltern, aber auch bei zeugungsunfähigen oder Single-Heterosexuellen ist Samenspende inzwischen Normal-Fall. Männer wie zum Beispiel Ed Houben (42) aus den Niederlanden bieten im Internet ihre Spermien an. „82 Kinder im Alter von 9 Jahren und zwei Monaten habe ich schon“, freut er sich. Er tue es gratis, aus reiner Menschenliebe, gibt der Historiker vor. Bisher haben ihn keine Unterhaltsforderungen erreicht. Rechtsanwalt Eberlein: „Das kann aber noch kommen.“

Auch per anonymer Samenspende gezeugte Kinder haben in Deutschland ein Recht, ihren Vater zu kennen. 25 Euro bekommt ein Mann bei der SEJ Samenbank Berlin GmbH. Nicht viel Geld, denn es kann später teuer werden. Davor warnt Samenbank-Chef Dr. med. Rüdiger Andreeßen alle Spender gleich.

Deshalb hat sich Joachim Welz von SpermaSpender.de zu einer besonderen Kennzeichnung seiner Datei entschlossen, die rund 20.000 Suchende und potenzielle Spender enthält. „Ein Herzchen kennzeichnet diejenigen, die sich neben dem Wunschkind auch eine Partnerschaft mit dem Spender vorstellen können.“

DÜBB