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Kostenlos mitfahren!: So sehen jetzt BVG-Tickets aus

Schülerin Cecilia Ziem (18) aus Marzahn: „Ich würde mir den Button auf den Rucksack stecken und sofort jemanden mitnehmen.“

Schülerin Cecilia Ziem (18) aus Marzahn: „Ich würde mir den Button auf den Rucksack stecken und sofort jemanden mitnehmen.“

Foto:

Sabine Gudath

Berlin -

Wer ohne Fahrkarte am Bahnsteig steht, sollte sich vorm Einsteigen genau umschauen – nicht nach Kontrolleuren, sondern nach speziellen Buttons. Unter dem Motto „Ticketteilen“ signalisieren sie dem Adressaten: „Ich nehm dich kostenlos mit!“

5000 dieser gelben Buttons wollen die „NaturFreunde Berlin“ als Initiatoren im ersten Schritt unters Volk bringen. Auf der Homepage www.ticketteilen.org gebe es täglich rund 20 Bestellungen für einen oder mehrere Knöpfe, sagt Geschäftsführerin Judith Demba.

Fahrgäste mit einer Umweltkarte (Sieben-Tage oder Monat) zeigen mit dem Knopf am Revers, dass sie gewillt sind, einen Erwachsenen und bis zu drei Kinder kostenfrei mitzunehmen. Möglich ist das ganztägig am Wochenende und an Feiertagen sowie Montag bis Freitag von 20 Uhr bis 6 Uhr.

Judith Demba will mit der solidarischen Aktion die Berliner mitnehmen, die bisher nur durch Schwarzfahren am Nahverkehr teilnehmen konnten. Die Geschäftsführerin veranschaulicht das an einem Beispiel: Im Hartz-IV-Regelsatz sind 19,20 Euro für den Öffentlichen Nahverkehr vorgesehen, das Sozialticket in Berlin kostet aber 36 Euro.

Bei der BVG kommt die Buttonkampagne überraschend gut an: „Das ist völlig legitim. Mit dem Button signalisiert der Träger: Ich tue Gutes“, sagt Sprecherin Petra Reetz. Die Mitnahme weiterer Personen sei Vertragsbestandteil und daran halte sich die BVG. Reetz warnt aber davor, Geld für die Mitnahme zu nehmen, denn das sei dann „unmoralisch“.

Die „NaturFreunde“ haben sich „Mobilität als Menschenrecht“ auf die Fahnen geschrieben und wollen auf lange Sicht einen kostenlosen Nahverkehr für alle Berliner. Kurzfristig fordert der Freizeitverband, die „zunehmenden Kontrollen einzuschränken und die Kriminalisierung von Fahrgästen zu unterlassen“, so der stellvertretende Vorsitzende Uwe Hiksch.

Die BVG hat mit 120 Kontrolleuren im vergangenen Jahr rund 228000 Schwarzfahrer erwischt. Ein Minusgeschäft und für die BVG ein Riesenproblem: Die Schwarzfahrer-Quote liegt im Schnitt zwischen 3,5 und 4,5 Prozent bei bis zu 3 Millionen Fahrgästen täglich. „Wenn seltener kontrolliert wird, geht die Quote gleich nach oben“, erklärt BVG-Sprecherin Reetz. Der Schaden für die BVG beträgt rund 20 Millionen Euro im Jahr.