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Kampf um Wohnraum: Erste Ferienwohnung besetzt

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Paul Schmidt (g.l.) und Gitta Schalk (2.v.l.) besetzten mit Mitstreitern Dienstag die Zwei-Zimmer-Wohnung im Wedding.

Foto:

Bernd Friedel

Wedding -

6300 Ferienwohnungen gibt in Berlin. Offiziell. Laut einer Studie des Bezirks Mitte sind es sogar 17 000 – und das bei der Berliner Wohnungsnot. Jetzt wurde erstmals eine Ferienwohnung besetzt.

Die Soldiner Straße im Wedding. Keine Luxus-Gegend, im Gegenteil. Genau wie die Zwei-Zimmer-Wohnung im vierten Stock der Nummer 26. Im Internet werden die 60 Quadratmeter für 1800 Euro angeboten. „Interessierte Mieter stehen Schlange, doch gerade für sozial Schwache ist die Wohnungssuche in den Innenstadtbezirken nahezu aussichtslos“, so Gitta  Schalk von der Erwerbslosen-Initiative „Basta“.

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In diesem Haus in der Soldiner Straße gibt es allein drei Ferienwohnungen. Eine kostet für Touristen allein 1800 Euro pro Monat.

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Bernd Friedel

Mehrere Mitarbeiter und Sympathisanten „beschlagnahmten“ die Wohnung gestern und wollen so auf das Problem aufmerksam machen. Der Vermieter wusste von der Aktion noch nichts. Allein im Umfeld der Soldiner Straße soll es 60 Ferienwohnungen geben. „Basta“ fordert, der Bezirk müsse alle unbewohnten Ferienquartiere beschlagnahmen und sie wohnungslosen Menschen  zur Verfügung stellen.

Denn gerade für Arbeitssuchende sind die Mieten in der Innenstadt nicht mehr möglich. So übernimmt das Jobcenter 400 Euro Warmmiete pro Monat, eine Familie mit drei Personen könnte 645 Euro bekommen. Besitzer von Ferienwohnungen können das Dreifache pro Monat verdienen.

Der Senat hat das Problem erkannt. Bau-Senator Andreas Geisel (SPD) möchte eine „eigene Truppe“ aufbauen, um illegale Ferienwohnungen aufzustöbern. Außerdem sollen Portale wie „Airbnb“ verpflichtet werden, Namen der Vermieter preiszugeben.