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Jobbörse der Hoffnung: Hier starten 4000 Flüchtlinge in die Zukunft

Mehr als 4000 Flüchtlinge kamen gestern ins Hotel „Estrel“, informierten sich bei über 400 Ausstellern über Jobs, Ausbildungsplätze und Studienangebote. 

Mehr als 4000 Flüchtlinge kamen gestern ins Hotel „Estrel“, informierten sich bei über 400 Ausstellern über Jobs, Ausbildungsplätze und Studienangebote. 

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Bernd Friedel

Berlin -

Zehntausende Flüchtlinge sind in Berlin gestrandet. Und jetzt, was geschieht mit ihnen? Im Neuköllner Hotel „Estrel“ gab es nun eine Jobbörse für Flüchtlinge. Denn, so formulierte es Arbeitssenatorin Dilek Kolat (SPD), Arbeit sei der Königsweg zur Integration. Mehr als 4000 Flüchtlinge kamen hin.

Al Saedi Abdulkhaleg will. Er will arbeiten. Will leben. Will zurückgeben. Vor drei Monaten kam der 35-Jährige nach einer kräftezehrenden Flucht aus Bagdad (Irak) nach Berlin. Wie Zehntausende überquerte er das Mittelmeer im übervollen Schlauchboot, lief zu Fuß die Balkanroute. Seit drei Monaten ist Al Saedis Heimat nun eine Turnhalle in Steglitz. „Ich habe fertig studiert, bin Ingenieur, bringe Berufserfahrung mit. Ich sehne mich nach einem Job in Berlin“, fleht er fast.

Die Hauptstadt ist willig, ihm diesen zu geben. Im „Estrel“, das die Börse mit der Agentur für Arbeit Berlin Süd initiiert hat, stellten sich gestern mehr als 200 Berliner Betriebe mit über 1000 Jobs im Gepäck vor. Es ist die bislang größte ihrer Art in Deutschland, nahezu jede Branche war vertreten.

Die Deutsche Bahn beispielsweise ist scharf auf Ingenieure, und Mahmoud Sabbagh aus Syrien ist einer. In Aleppo schloss er noch vor Beginn des Krieges sein Maschinenbaustudium ab, floh dann vor Bomben, Scharfschützen und dem Terror der IS-Schergen. In Berlin hat er es dank seiner Arbeit als Übersetzer für das DRK sogar schon zu einer eigenen Wohnung gebracht. Aber das reicht ihm nicht. „Ich will einen richtigen Job, dazu büffle ich gerade jeden Tag Deutsch“.

Das ist wichtig, wie Christian Wiesenhütter, stellvertretende Geschäftsführer der Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK), bestätigt: „Ohne das Erlernen der deutschen Sprache wird eine erfolgreiche Integration nicht gelingen.“

Das wissen selbst die, die keinen Uni-Abschluss in der Tasche haben. Die 23-jährige Farika Ayabi aus Afghanistan beispielsweise, die sich bei den anwesenden Hotelketten (u.a. Steigenberger, Hilton, Marriott) nach einem Job als Zimmermädchen erkundigt.

Oder der Elektriker Soulemana Jibril Bature (33) aus dem Niger, der gern einen der angebotenen Plätze in der Ausbildung zum Anlagenmechaniker bei der „B&O Gebäudetechnik“ ergattern würde.

Zu den teilnehmenden Firmen gehören große Konzerne wie „Bayer“ und „Vattenfall“, aber auch kleine wie die Berliner Reederei Riedel, die Schiffsführer und Matrosen sucht.

Gleich mit einem Arbeitsvertrag verließ kaum jemand den Neuköllner Markt der Hoffnung. Aber: „Die Interessenten kommen super positiv auf uns zu“, so Vodafone-Personalberaterin Lisanne Lauer. Oft sei deren Erwartungshaltung aber auch groß, und sie müsse erst einmal zurückfragen: „Sag mir, was du mitbringst.“

Lauer hat nun einen kleinen Stapel von Lebensläufen gesammelt, die sie im Büro genauer durchsehen will.

Innerhalb von zwei Wochen werde jeder Bewerber Bescheid bekommen, ob und wie es weitergeht.