E_Paper_BK
BERLINER KURIER - Berlins ehrliche Boulevardzeitung im Netz

Flüchtlinge verlassen Berlin: Wir sind dann mal wieder weg

Irak 018

Autoschlosser fand einfach keinen Job: Araf Mahmoud und seine Frau Hasam wollen nicht mehr auf etwas warten. Drei Monate lebten sie in Berlin in einer Flüchtlingsunterkunft. Er hat im Irak als Autoschlosser gearbeitet und erhoffte sich in Deutschland eine Zukunft und Geld. Doch seine Frau meint: „Rumsitzen können wir auch zu Hause im Irak.“ 

Foto:

Bernd Friedel

Berlin -

Sie haben alles verkauft und ihr Leben riskiert, um nach Deutschland zu kommen. Hier lebten sie in Unterkünften zusammen mit wildfremden Menschen, verstanden die Sprache nicht und bekamen keine Jobs. Enttäuschte Flüchtlinge aus dem Irak fliegen jeden Mittwoch von Berlin zurück nach Hause. Der KURIER hat sie in Tegel getroffen.

Die kleine Juliena (2) bricht in Tränen aus. Ihre Mutter Duha versucht sie zu trösten. Doch die junge Frau mit dem Kopftuch hat noch den sechsjährigen Bruder von Juliena an der Hand und muss auf das Gepäck aufpassen. Sie wirkt selbst sehr angespannt, denn in knapp zwei Stunden, um genau 14.51 Uhr, geht ihr Flieger nach Bagdad.

Jetzt wartet sie zusammen mit ein paar Dutzend anderen irakischen Flüchtlingen auf dem Flughafen in Tegel. Denn sie sind enttäuscht von Deutschland. Die Familien und jungen Männer, die viel riskiert haben, um hierher zu kommen, wollen zurück nach Hause ins Krisengebiet. Im Irak mordet der IS, dort bekämpfen sich islamistische Gruppen mit Panzerfäusten und Bomben. Sie fliegen trotzdem zurück.

Duha war vier Monate auf dem Tempelhofer Feld mit tausend anderen fremden Menschen untergebracht. Es gab zu wenig Duschen, kein gutes Essen, die Kinder wurden krank, berichtet die Mutter. Weil die Finanzierung der Arztbehandlung unklar gewesen sei, habe sie die Behandlung am Ende selbst bezahlt. Ein Bekannter, der die aufgelöste Familie zum Flughafen gebracht hat, sagt dem KURIER: „Erst heißt es, ihr könnt alle herkommen und dann gibt es nicht genügend Platz. Das ist großer Mist.“

Nur einen Meter weiter wartet Ahmed (24) zusammen mit seinem Freund Ahmed Omar (19) vor dem Schalter. „Die Zeit in Deutschland war eine Katastrophe, ich habe alles verkauft um hierherzukommen. Es hat nichts gebracht“, erzählt er. Die beiden jungen Männer lebten in einer Flüchtlingsunterkunft in Neumünster. Vier Monate verbrachten sie dort. Ohne Arbeit, ohne die Sprache zu verstehen, ohne Perspektive.

„Man hat uns auf der Straße beschimpft. Für uns waren die Menschen in der Flüchtlingsunterkunft doch auch fremd. Da kamen viele Kulturen zusammen, unterschiedliche Menschen, das hat nicht funktioniert“, so Ahmed Omar. Er schlägt beide Hände zusammen, während er das sagt.

Dem Familienvater Araf Mahmoud und seiner Frau Hasam erging es ähnlich. Das Paar hat vier Kinder, zusammen lebten sie drei Monate in einer Berliner Flüchtlingsunterkunft. „Mein Mann hat als Autoschlosser im Irak gearbeitet. Wir haben gedacht, dass es hier sicher und leichter ist. Doch rumsitzen können wir auch im Irak“, so die Frau. Sie haben nicht viel Zeit. Sie sind im Stress, sie wollen jetzt zurück in den Irak. 

Familie Hadrous betreibt ein Reisebüro in Moabit und verkauft die Flugtickets nach Bagdad. Genaue Zahlen haben sie nicht. Doch der Trend ist im Moment leicht rückläufig. Vor ein paar Monaten sind noch mehr zurückgeflogen.