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Elise und Otto Hampel: Bürokraten wehren sich gegen Ehrung für Hitler-Gegner

Der Platz am Rathaus Wedding sollte nach den NS-Widerständlern ...

Der Platz am Rathaus Wedding sollte nach den NS-Widerständlern ...

Foto:

Friedel

Wedding -

Mit der Umbenennung wollten Anwohner und Bezirkspolitiker ein Zeichen für Zivilcourage setzen: Der noch namenslose Platz am Rathaus Wedding sollte nach Elise und Otto Hampel benannt werden, einem Ehepaar, das während des Zweiten Weltkrieges gegen die Nazis aufbegehrte. Doch weil eine Umbenennung auch eine neue Adresse bedeutet, stellt sich der Grundstückseigentümer quer: Die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM).

Die Weddinger CDU hatte den Vorschlag eingereicht, dem Rathausvorplatz an der Schiller-Bibliothek einen richtigen Namen zu geben. „Wir fanden, dass das Ehepaar Hampel stärker gewürdigt werden sollte“, so Uwe Hennig (66) von der CDU-Fraktion Mitte. „Denn ihre Biografie ist beeindruckend.“

Elise (1903-1943) und Otto Hampel (1897-1943) lebten unweit des Platzes, in der Amsterdamer Straße 10. Er arbeitete bei Siemens, sie war Haushaltshelferin. Anfangs unterstützten die Weddinger das NS-Regime, besannen sich aber 1940 – nachdem Elises Bruder an der Frankreich-Front gefallen war. Das Paar schrieb Karten und Handzettel, auf denen es zum Widerstand gegen die Nazis aufrief. 1942 wurden sie verraten, verhaftet und schließlich – im April 1943 – in Plötzensee u.a. wegen Hochverrats hingerichtet. Elisa Hampel wurde nur 39, ihr Mann 45 Jahre alt. Der Literat Hans Fallada verewigte ihre Geschichte 1947 in seinem Epos „Jeder stirbt für sich allein“. Heute erinnert eine Gedenktafel am ehemaligen Wohnhaus an das Paar.

„70 Jahre nach Ende des Krieges wäre es jetzt ein positives Zeichen für Zivilcourage gewesen, den Platz nach dem Ehepaar zu benennen“, so Politiker Hennig. Anwohner unterstützen das Vorhaben, die Bezirksverordnetenversammlung beschloss die Umbenennung einstimmig und auch die BIM befürwortete die Idee. Zunächst!

Doch: „Bei einer Umbenennung des Vorplatzes würde die Adresse der angrenzenden Gebäude zwangsläufig den Namen des Platzes übernehmen“, erklärt BIM-Sprecherin Katja Cwejn (33). Gemeint sind die Bibliothek sowie das Jobcenter, Müllerstr. 147. „Bei einer Namensänderung wäre die Adresse schwer auffindbar“, so Katja Cwejn zum KURIER. Immerhin sei die Müllerstraße – anders als ein neuer Platz – den meisten Berlinern ein Begriff, die Orientierung entlang der Hausnummern einfach. „Daher ist eine Umbenennung weder notwendig noch erwünscht.“ Oder anders ausgedrückt: Abgelehnt!

„Dafür haben wir kein Verständnis“, sagt CDU-Mann Hennig. „Natürlich würden die Weddinger den Weg trotzdem finden, die sind doch nicht dumm!“ Ändern kann man an dem Beschluss nicht. Als Eigentümerin entscheidet nur die BIM über den Namen. NIC