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Container-Mafia: Das schmutzige Geschäft mit der alten Wäsche

Auch dieser Altkleider-Container in der Pankstraße (Gesundbrunnen), einer von Hunderten im Bezirk Mitte, wurde illegal aufgestellt.

Auch dieser Altkleider-Container in der Pankstraße (Gesundbrunnen), einer von Hunderten im Bezirk Mitte, wurde illegal aufgestellt.

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Thomas Lebie

Berlin-Mitte -

Das Geschäft mit der Spende boomt. Einfachste und lukrativste Variante: Altkleider-Container. Vor allem der Bezirk Mitte ist überschwemmt mit illegal aufgestellten Boxen, mehrere hundert sollen es mittlerweile sein. Ein Konzept gegen die Mafia lässt allerdings auf sich warten.

Deutschlandweit werden jährlich rund 300 Millionen Kleidungsstücke gespendet. Tausende Tonnen sammelt allein das Deutsche Rote Kreuz jährlich in Berlin. Dubiose Händler allerdings wollen die abgetragenen Textilien nicht an Bedürftige weiterreichen, sondern sie wittern das große Geschäft. „Auf dem Weltmarkt ist eine Tonne circa 200 bis 500 Euro wert“, verrät ein Insider, der in einem der Unternehmen arbeitet, dem KURIER.

Um ein Stück vom Kuchen abzubekommen, stellen sie Container auf, die den Boxen von gemeinnützigen Organisationen ähneln. Ohne Anmeldung, auf öffentlichen Flächen. Die eingeworfenen Klamotten erhalten die Unternehmen zum Nulltarif. Es gibt keine Herstellungskosten. Der Insider: „Die Kleider werden nach der Leerung sortiert. Die besten Stücke gehen in den ehemaligen Ostblock und in arabische Staaten. Dort werden sie in Secondhand-Läden verkauft.“

Der Rest, circa 60 Prozent der tragbaren Kleidung kommt nach Afrika. Allein im Hafen von Daressalam in Tansania sollen monatlich 40000 Tonnen Altkleider auf legalen und illegalen Handelsrouten ankommen. Dahinter steckt eine global arbeitende Branche mit Millionenumsätzen. Verschenkt werden die gespendeten Sachen dort nicht. Sondern verkauft.

Während sich die Mafia in Mitte breitgemacht hat, versucht man in anderen Bezirken mit restriktiven Maßnahmen Herr der Lage zu werden. Charlottenburg-Wilmersdorf etwa gilt als Vorreiter, hat 15 offizielle Standorte genehmigt. Wird ein illegaler Container entdeckt, schickt Ordnungsstadtrat Marc Schulte (SPD) auf Bezirkskosten, den Räumdienst. „Meldet sich der Eigentümer nicht, werden sie verschrottet.“

In Mitte soll das Bezirksamt nun auf SPD-Initiative ein Standort-Konzept für bis zu 120 Container entwickeln. Derzeit sind die Bürger aufgefordert, Standorte von Altkleider-Containern zu melden. „Wir gehen diese Orte ab, um sie zu verifizieren, und werden sie dann gesammelt an das Bezirksamt zur weiteren Veranlassung übergeben“, so Thorsten Lüthke, stellvertretender SPD-Fraktionsvorsitzender in der BVV Mitte.



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