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Bruchbude: Die Schul-Schande von Lichtenberg

Lichtenberg -

Dreckige Fassade, kaputte Klassenzimmer, verkeimte Toiletten- und Waschräume: Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sollte schleunigst die Hermann-Gmeiner-Grundschule besuchen. Dort kann sie sehen, in was für einer Bruchbude 270 Kinder lernen müssen.

Der Plattenbau an der Harnackstraße: Mit viel Pomp wurde er 1972 als 50. Schulneubau der Hauptstadt der DDR seit 1966 eingeweiht. Zur Feier kam sogar Margot Honecker. Die damalige 31. Polytechnische Oberschule wurde zum Vorzeigebau. Heute trägt die Bildungsstätte den Namen des SOS-Kinderdorfgründers Gmeiner (1919-1986) und verkommt zum Schulschandfleck von Lichtenberg.

Die skandalösen Zustände am und im Gebäude protokollierte die Gesamtelternvertretung (GEV) bei einer Schulbegehung. In vielen Klassenzimmern oder auf den Fluren platzt die Farbe von den Wänden, sie haben eklige Regenwasserflecke. Deckenplatten sind kaputt, es gibt offene Kabelschächte.

„In den Räumen ist es zu warm und stickig, so dass schon in der ersten Stunde die Kinder unkonzentriert und genervt wirken“, notieren die Eltern. Denn viele Heizungen lassen sich nicht herunterdrehen, weil die Ventile fehlen. Und lüften? Die Fenster sind in schlechtem Zustand, viele lassen sich nicht öffnen.

Ganz schlimm sieht es in den Toiletten und Waschräumen aus. Fotos, die die Eltern machten, zeigen verkeimte und kaputte Sanitäranlagen, rostige Heizungen. „Diese Schule ist kein Ort, der unsere Kinder glücklich macht“, sagt GEV-Chef Thomas Tursics.

Die Schüler sind in der Tat nicht glücklich. In Briefen schrieben sie auf, was ihnen an ihrem Schulhaus nicht gefällt. „Die Toiletten stinken“, steht bei vielen Klassen ganz oben auf der Mängelliste. Die Schüler der Klasse 4b schrieben auf, dass in einigen Räumen Löcher in den Wänden sind, in den Toiletten die Waschbecken locker sind.

Die Klassenbriefe, die Fotos und das Protokoll (liegen dem KURIER vor): Um Druck zu machen und damit endlich die baulichen Zustände an der Schule zu ändern, schickten die Eltern diesen umfangreichen Bericht jetzt an die zuständigen Behörden im Bezirk und an die Bildungssenatorin Scheeres.

Die SPD-Politikerin geht seit ihrem Amtsantritt auf Schultour. „Sie hat nicht nur schöne Gebäude besucht, auch solche wie in Lichtenberg“, heißt es aus ihrer Behörde. Darum wurden die Mittel für die Schulsanierungen in Berlin in diesem Jahr von 32 auf 64 Millionen Euro erhöht. Aber die Scheeres-Behörde stellt auch klar: „Die bauliche Mängelbeseitigung ist allein Sache der Bezirke.“

Der Schock-Bericht der Eltern der Hermann-Gmeiner-Grundschule hat schon einen ersten Erfolg. Lichtenbergs Bürgermeister Andreas Geisel und seine Schulstadträtin Kerstin Beurich (beide SPD) wollen sich kommende Woche mit den Eltern treffen.

Doch unter Druck will sich Geisel von den Eltern nicht setzen lassen. „Diese Schule haben wir nicht vergessen“, sagt er. „Für 2,1 Millionen Euro wurde schon die Sporthalle saniert.“

Außerdem gibt es fünf, sechs andere Schulen im Bezirk, die dringend saniert werden. Dazu müssen noch sieben Schulen neu gebaut werden, weil in Lichtenberg die Schülerzahl wächst.